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Einer der großen klassischen Durchstiege des Karwendels, zumindest damals. Auf jeden Fall die offensichtliche Linie, die auch mir schon einmal ins Auge gestochen ist, wenn man über den Großen Ahornboden zu den Engalmen radelt. Ein Blick in einen der heutigen üblichen Kletterführer und den guten alten AV-Führern offenbart, dass der Wandel der Zeit auch im Bergsport Gang und Gebe ist. Dieser zeigt sich bei der Einstellung bzgl. der Felsqualität sehr deutlich: "Herrlicher fester Kletterfels. Im oberen Teil sehr ausgesetzt. Die Durchsteigung empfiehlt sich vor allem nach längerer Schönwetterperiode, da die oberen SL und der Ausstiegskamin in nassem Zustand sehr heikel sind. Sehr empfehlenswert. Öfter begangen." vs. "Heute wird der Riss nur noch selten durchstiegen, das Gestein ist nach modernen Maßstäben etwas brüchig, dazu ist der Riss bis weit in den Sommer hinein nass. Für zuverlässige Sicherungen, auch an den Standplätzen muss überwiegend selbst gesorgt werden." In den Längen bis zum luftigen Pfeilerkopf würde ich den Fels wirklich als recht fest beschreiben. Dass er nicht brüchig sei, durfte ich jedoch nicht laut von mir geben, weil mir da dann nicht nur nicht zugestimmt wurde, sondern auch widersprochen wurde. Aber zu meiner Verteidigung, in diesen Längen hat sowohl das Seil nie einen Stein gelöst und auch ich fasste nur genau einmal einen etwas lockeren Griff an und dieser brach nicht einmal aus. Aber natürlich forderten diese Längen schon ein umsichtiges klettern, das muss ich nun auch zugeben. Der im Anschluss an den kleinen Pfeilerkopf befindliche kleine Überhang mit einem herrlich singenden Schlaghaken, was man ihm vom rein Äußerlichen nicht angesehen hätte, war dann tatsächlich etwas brüchiger, aber nur kurz. Erst ab den beiden Seillängen vor den im Topo und im AV-Führer beschriebenen Klemmblöcken änderte sich das Bild dann leider doch deutlich. Von dem Moment an war es nicht nur schwierig solide Standplätze zu basteln, sondern der Sicherer wurde teils arg mit Steinen bombardiert, was sich trotz aller Umsicht nicht vermeiden lies. Berührte man nur ganz leicht manche Felspartien oder schaute sie zu scharf an, bröselten sie schon weg. Schlechtes Gewissen nach einem erneuten Bombardement war vorprogrammiert, jedoch leider tatsächlich gar nicht vermeidbar. Erste Überraschung bot ein Loch, was nicht wie einer der Klemmblöcke im Topo aussah und folglich auch keiner von diesen war. Dennoch behandelten wir diese Stelle so und kletterten hindurch. So soll man es ja auch bei dem ersten Klemmblock machen. Und wer weiß, mit viel künstlerischer Freiheit kann man die Stelle ja wie ein Klemmblock sehen, nur dass der „Block“ noch komplett verwachsen ist mit dem Fels außenherum. In dem Loch war es allerdings etwas sehr nass, schlonzing und dreckig und vmtl. bedarf es einer Maximalgröße, damit man oben raus nicht feststecken bleibt. Es sollte an dieser Stelle also eher der Größere vorsteigen, denn außen klettern könnte man es auch. Die SL bis zwischen die beiden Klemmblöcke stellte sich für mich persönlich als die Schlüsselseillänge dar. Nur ca. 20m, aber kaum zufriedenstellend absicherbar. Das erste solide Placement (zumindest als solches eingeschätzt, denn ich muss zugeben, je weniger oder je mehr schlechte Absicherungen unter einem sind, desto höher sind meine Ansprüche) kam erst knapp Meter unter dem Stand. An sich konnte man zwar nicht fallen, weil es ein enger Kamin war. Aber die Nässe und auch wieder die irgendwie teils arg schlonzig dreckigen Griffe/Tritte sowie die auch bei nur leichter Berührung durch den eigenen Körper und das Seil herausbröckelnden Steine machten es zur Herausforderung. Extrem beeindruckend, dass die Tour 1902 bereits geklettert wurde, wo es mit Zwischensicherungen noch schlechter ausgesehen haben muss wie jetzt. Da lobte ich mir dann doch die zumindest zwei schlechten Sicherungen zu Beginn des Kamins, auch wenn Marina eine davon einfach rausziehen konnte. Insgesamt kann man maximal 15 Schlaghaken-Begegnungen rechnen, exklusive eigens geschlagenen. Von uns wurde je einmal am Stand einer geschlagen, aber nicht belassen. Wandhöhe: ca. 600m bis P. 2342 Kletterlänge: ca. 750m Schwierigkeit: 5- Absicherung: Für zuverlässige Sicherung, auch an den Ständen muss überwiegend selbst gesorgt werden. Insgesamt befinden sich rund 15 Schlaghaken unterschiedlicher Qualität in der gesamten Tour. Material: zwei Sätze Totems, ein 3er Cam und evtl. ein 4er Cam, Hammer, Pecker, Schlaghaken Erstbegeher: O. Bauriedel, A. Holzer 1902 Route: Der Durchstieg durch den Schiefen Riß (etwa 15 SL) ergibt sich eigentlich von selbst. Um dorthin zu kommen muss man zunächst von der „Schulter“, welche die NO- von der NW-Wand trennt über je nach Bedingungen feuchtes Gras und Schrofen (Achtung Steinschlag durch Gamsen) bis knapp unter die Wand, wo der „Nordpfeiler“ startet. Die Grasquerung zum Einstieg des „Schiefen Risses“ ist deutlich unangenehmer als sie den Anschein macht. Sichern vmtl. eher schwierig umsetzbar.
Abstieg: Es gibt mehrere Varianten wieder herunter zu kommen, eine startet direkt mit dem Anstieg (runter ins Eiskarl und über die neuste Route „Regenbogenweg“ abseilen) oder den Abstieg erst einmal mit einem Aufstieg beginnen. Gefolgt von einem Abstieg, dann erneuter Aufstieg auf die Eiskarlspitze und dann dem endgültigen Abstieg über die Hochglückscharte. Klingt zeitaufwendiger und ist es vmtl. auch. Die Entscheidung wird am P. 2342 getroffen, wo man aus der Wand aussteigt, wir entschieden uns für den Abstieg mit Aufstieg zum Gipfel der Spritzkarspitze (knapp 300 hm, ca. 45 min, Gratkletterei 2-3). Gipfelkreuz gibt’s keins, aber einen Gipfelbuchbehälter im Gipfelsteinmann mit einem gar nicht so alten Buch. Problemlos über den SO-Grat zum Vorgipfel, P. 2589 und über Steigspuren im Schutt zur Scharte vor dem steilen Gipfelaufbau der Eiskarlspitze, ca. 2520m. Über die linke, gratnähere Kaminrinne (Stellen 2, nette Kraxelei, relativ fester Fels) zum Vorgipfel und über den NW-Grat zum höchsten Punkt (ca. ½ Stunde von der Spritzkarspitze). Auch hier gibt’s kein Kreuz mehr, aber wieder einen Gipfelbuchbehälter im Gipfelsteinmann. Auch dieses ist nicht alt. Am Ostgrat kurz vor, bis dieser abbricht, und links etwa 20 hm eine breite Rinne nordseitig absteigen, zurück zum Grat. Diesen entlang zum nächsten Abbruch, den man wieder nordseitig umgeht. Stellen 2, teils etwas brüchig. Ehemalige Markierungen sind kaum noch sichtbar, aber ein paar Steinmanndln weisen den idealen Weg. Nun am meist breiten, kurz aber auch ausgesetzten Grat entlang (Stelle 2), bis man nach einem kurzen Gegenanstieg zu P. 2460 direkt über der westlichen Hochglückscharte steht. Am Grat entlang oder etwas südlich davon durch steile Grasschrofen (1-2) zur Scharte, 2387m. Die Rinne in recht unzuverlässigem Brösel ins Kar. Das im Juli noch vorhandene Restschneefeld hat nun das Zeitliche gesegnet. Ein alter Drahtseilrest im unteren Teil der Rinne ist etwas fragwürdig befestigt. Ab 2180m über den flachen Karboden (Wiesen, Schutt, schöne Karren) gemütlich den Steinmanndln entlang nach Norden, bis man auf etwa 1765m links über Grasrücken und durch Latschenschneisen auf mehr oder weniger ausgeprägten Steigspuren zum Kirchl absteigt (1570m).
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September 2026
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