Außerdem dürfte es sich bei der Roggspitze (laut AV-Führer und natürlich auch meiner Meinung nach) um einen der formschönsten Kalkgipfel weit und breit handeln. Kurioserweise auch einer der wenigen Gipfel, die bereits vor einem halben Jahrtausend einen Namen trugen. Immerhin liefen hier die Grenzen der Bistümer Brixen, Augsburg, Konstanz und Chur zusammen. Also auch historisch bedeutsames Gebiet. Hut ab auch vor den Erstbegehern, sich zu trauten in eine so brüchig und steil wirkende Wand einzusteigen. Und dann hält einfach (fast) alles, egal ob rot, braun, gelb oder grau. Gut abgesichert obendrein, dafür kaum drei Begehungen pro Jahr, witzigerweise zwei davon heute. Im Zustieg trafen wir trotz der Trockenheit der letzten Wochen immer noch auf ein Blumenmeer (Skabiosen), außerdem jede Menge Murmeltiere und Steinböcke. Erstaunlicherweise sind im Gipfelbuch pro Jahr nur etwa 20-30 Einträge, und das bei einem relativ kurzen Zustieg, den man mit der nahe gelegenen Stuttgarter Hütte sogar noch halbieren könnte. Wir hätten uns vor lauter Bergeinsamkeit schon fast an den Walchen- oder Eibsee gewünscht. Wenn man nicht über die Tour abseilen will, wird man am unschwierigen, aber steilen Normalweg (max. 2) wieder mit einzigartigen geologischen Formationen belohnt. Daran schließt sich der bereits vom Zustieg bekannte, gemütliche Wiesenbummel an, bevor dieser Bergtag (mit erhöhtem Suchtpotenzial) endet. Zustieg: Von Zürs/Arlberg zur Kirche, 1717m und auf geteerter Straße (Radl verboten, Geländewagen mit dem richtigen Kennzeichen erlaubt) steil zur Trittalpe und weiter auf Kiesstraße Richtung Stuttgarter Hütte hinunter zum Pazielbach (1920m) und zur Pazielalpe, 1950m. Vorbei an einer lifthäuslartiger Hütte und weglos talein auf den fettesten Grasmatten, die man sich nur vorstellen kann, bis man etwa in Falllinie der Roggspitze steht. Nun über schöne Wiesenrücken hinauf zum Boschweg. Wenn man über den Normalweg absteigen will, am besten hier alles Überflüssige deponieren. Auf dem Boschweg noch ein Stück weiter Richtung Valluga, bis man über steile Grashänge und Schrofen zum Ansatz des S-Grates der Roggspitze aufsteigen kann. Etwa auf Höhe eines großen Felsblocks unterhalb links auf Grasbändern wenige Meter zum Einstieg; BH, ca. 2500m. Ca. 2 Stunden ab Zürs. Wandhöhe: 250hm zum Gipfel Kletterlänge: 315m Schwierigkeit: 6 Passagen 6-/6, abgesehen von den zu querenden Bändern und der letzten SL recht anhaltend im 5. Grad. Recht humane Bewertung. Absicherung: Die Route ist gut mit Expressankern und ein paar NH abgesichert, an den schwersten Stellen sehr gut. Der erste Haken einer SL sitzt oft relativ hoch. In den leichten Längen steckt wenig bis nichts, was aber nicht weiter stört. Die Stände sind mit einem Expressanker und einem Klebehaken ausgerüstet, teilweise verbunden und zum abseilen eingerichtet. Material: 60m Doppelseil, 8 Expressen. Klemmzeug hatten wir dabei, kam aber nicht zum Einsatz. Ansonsten übliche Alpinkletterausrüstung, gute Zustiegsschuhe und leichte Stöcke. Helm! Erstbegeher: L. Brunner & R. Hinteregger, 2012 Route: Topo im Panico Kletterführer “Lechtaler Alpen“ Ergänzungen: 1. SL: Mit 6 human bewertet 2. & 3. SL: Grasband vom Stand aufsteigend Richtung eines NH mit dicker Schlinge queren und über Wandl (eher 4, 1 BH) zu Stand. Am besten die nächste SL gleich mitnehmen. => 45m, 1NH, 1 BH (Topo falsch!) 4. & 5. SL: Zusammenfassen! In der 5 SL stecken 2 BH (Topo falsch!) 6. SL: Band ansteigend nach links zur anderen Seite queren. Stand mit Schlinge gut sichtbar ein paar Meter über dem Band und unter Verschneidung. 10. SL: WB existiert nicht mehr. 11. SL: eher 2; ggf. seilfrei Vom Ausstieg wenige Meter zu höchsten Punkt. Abstieg: Den roten Markierungen folgend zur Roggscharte. Bei trockenen Bedingungen problemlos; ansonsten laden zahlreiche Abseilstellen zur Benutzung ein. Ab der Scharte keine Markierungen mehr. Wir haben den Beginn des Steigleins durch die steile Westflanke nicht gefunden und sind ein Stück weiter Richtung Erlispitze, bis steile Grashänge zum Steig führen. Steil weiter zum Boschweg (ca. 1 Stunde vom Gipfel) und über den Zustiegsweg nach Zürs. Alternativ kann über die Route abgeseilt werden oder über die bunten Erlispitzen (max. 2) die Stuttgarter Hütte erreicht werden. Von dort geht ein bequemer Wanderweg zur Trittalpe.
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