Ein Wort zu den Zeiten: die konnten wir problemlos überbieten. 1 Stunde Zustieg, keine Ahnung wie das gehen soll. 1½ Stunden vom Parkplatz sind eher realistisch. Unsere Kletterzeit betrug bei konventioneller Sicherung 9 Stunden, allerdings waren ein paar Passagen nass oder schlonzig und die Temperaturen waren relativ frisch. Vom Gipfelgrat rüber zur Hochglückscharte und runter übers Glückkar brauchten wir inklusiver einiger Pausen und bei gemütlicher Gehweise 5 Stunden. Bei zeitigem Start geht sich das aber immer noch locker bei Tageslicht aus. Das Wetter sollte aber sehr stabil sein, denn bei einem Gewitter sollte man nicht in so einem gewaltigen Plattenschuss duschen. Die Wasserstreifen müssen ja irgendwo herkommen. Zustieg: Von einem der Parkplätze am Alpengasthof Eng (Mautstraße), ca. 1200m, mit dem Radl oder zu Fuß vorbei an den Engalmen, 1227m, zum Fuchsenloch, ca. 1265m (1,5km). Hier verlässt der Weg die Almwiesen der Eng und zieht in das waldige, eingeschnittene Tal des Enger Grund Bachs. Wer nicht den Abstieg über das Glückkar wählt, sondern abseilen möchte, kann mit dem Radl noch weitere 0,5km bis zur Brücke P. 1282 fahren. Über die Brücke und auf der linken Talseite weiter, über einen vom Einstieg herabziehenden, wasserführenden, breiten Graben (ca. 1350m) in den Enger Grund. Auf knapp 1400m links über steileres Wiesengelände weglos hinauf zum Rücken, der den Graben westlich begrenzt. Auf diesem weiter, bis man auf etwa 1600m linkshaltend flach in die kleine Mulde unter den Wänden einqueren kann. Weiter, bis auf etwa 1700m rechts ein markantes Band in die Wand zieht. Dieses bis zum rechten Ende (1-2). Einstieg auf ca. 1750m bei ebenem Platz, markiert mit einem Bohrhaken, an dem an einem Seilstück ein faustgroßer Stein hängt. Ca. 1½ Stunden ab der Eng. Wandhöhe: etwa 730hm zum Grat im Gipfelbereich, zum letzten Abseilstand nach der 19. SL etwa 150hm weniger. Kletterlänge: vom Einstieg 725m und 19 SL bis zum letzten Abseilstand, 835m und 21 SL bis zum letzten gebohrten Stand, auf den noch etwa 150m seilfreies 3er Gelände folgt. Insgesamt somit knapp 1000m zum Gipfelgrat. Schwierigkeit: Recht anhaltend im 6. Grad. Bei freier Kletterei je eine kurze Passage 8-, 7+/8- und 7, in vier SL Stellen 7-. In weiteren 8 SL 6 und 6+, somit bleiben bei 21 SL nicht viele leichtere Längen übrig. Der obere 6. Grad ist obligat zu klettern. Beim Fußabstieg immer wieder länger anhaltende Strecken in teils brüchigem und ausgesetztem Schrofengelände, das volle Konzentration fordert. Absicherung: In der Wand durchgehend mit Edelstahl Expressankern. In den leichteren SL bis 5+ stecken die Dinger in weiten Abständen, in den 6er-Längen wird der Hakenabstand schon enger, ab 6+ ist die Absicherung sehr gut. An den Ständen steckt meist ein Expressanker und ein Klebehaken, wer beim Abseilen Redundanz will, sollte einen Schwung Seilstücke mitbringen. Am Gratabstieg steckt gar nichts. Material: 60m Doppelseile, 14 Expressen, davon ein paar alpine. Wer die schwierigeren Stellen technisch klettern möchte oder muss, wird sich über eine längere Bscheißerexpress freuen. Klemmzeug hatten wir nicht dabei, ist auch nur selten einsetzbar. Eventuell zwei kleine Cams, falls man nicht jeden BH findet. Ansonsten übliche Alpinkletterausrüstung, gute Zustiegsschuhe, genug Energie, Flüssigkeit und Stöcke, v.a. für den langen Abstieg. Da etwa die Hälfte der Bohrhakenlaschen locker sind, dringend einen 17er Schlüssel mitnehmen, wir hatten leider keinen dabei. Etwas warmes zum Drüberziehen, ein Biwaksack und eine leichte Stirnlampe für den Notfall gehört auch ins Gepäck. Es gibt Leute, die auf dem langen Grat zur Hochglückscharte biwakieren mussten … Erstbegeher: R. & G. Sussmann, R. Baur, B. Reinmiedl & T. Lindner, 2004. Vielen Dank für euer Engagement und die ganze Schinderei bei der Erschließung! Ihr habt uns einen stressfreien Genusstag im Karwendel beschert. Route: Topo in Adi Stockers Longlinebibel und im Panico Kletterführer “Karwendel“ sowie auf der Homepage von R. Sussmann: https://www.nordalpenklettern.lima-city.de/imschattendersphinx5.pdf Ergänzungen: Wandfuß eher 100m höher, 1700m 2. SL: Eigentlich ein richtiger Linksquergang. 4. SL: Quert deutlich nach links. 5. & 6. SL lassen sich bei überlegter Seilführung gut zu einer 50m-Länge zusammenfassen. 8., 9. & 10. SL: eher ein paar Meter kürzer. 12. & 13. SL bei überlegter Seilführung gut zusammenfassbar. Wenn der 2. BH hängt, kann der 1. (macht ein Eck) gut ausgehängt werden. 45m 15. SL: Eher ein Dreier. 16. SL: Ein ausgeprägter Rechtsquergang. 18. SL: Erst gerade, dann unter der Nische mit dem Wandbuchbehälter (leider nur noch ein nasser Papierklumpen) paar Meter links auf Band zum Stand. 19. SL: Letzter ordentlicher Abseilstand. 20. SL: Kurz gerade hoch, rechts durch Schutt zu Grat und diesen teils brüchig hoch. Stand an einem Expressanker mit Maillon. 21. SL: Weiter den leichteren Grat in teils sogar wieder schönem Fels zu Stand an einzelnem BH in Platte unter Wandl. Auf dem Weg des geringsten Widerstands zum Gipfelgrat. 2-3; zieht sich länger als man meint. Abstieg: Abseilen (2-3 Stunden hört man) oder über den SW-Grat auf die Spritzkarspitze (130hm, ca. ½ Stunde, Schutt, paar brüchige Kletterstellen, max. 2, möglichst nah am Grat bleiben). Gipfelkreuz gibt’s keins, aber einen Gipfelbuchbehälter im Gipfelsteinmann mit einem gar nicht so alten Buch. Problemlos über den SO-Grat zum Vorgipfel, P. 2589 und über Steigspuren im Schutt zur Scharte vor dem steilen Gipfelaufbau der Eiskarlspitze, ca. 2520m. Über die linke, gratnähere Kaminrinne (Stellen 2, nette Kraxelei, relativ fester Fels) zum Vorgipfel und über den NW-Grat zum höchsten Punkt (ca. ½ Stunde von der Spritzkarspitze). Auch hier gibt’s kein Kreuz mehr, aber wieder einen Gipfelbuchbehälter im Gipfelsteinmann. Auch dieses ist nicht alt. Am Ostgrat kurz vor, bis dieser abbricht, und links etwa 20hm eine breite Rinne nordseitig absteigen, zurück zum Grat. Diesen entlang zum nächsten Abbruch, den man wieder nordseitig umgeht. Stellen 2, teils etwas brüchig. Ehemalige Markierungen sind kaum noch sichtbar, aber ein paar Steinmanndln weisen den idealen Weg. Nun am meist breiten, kurz aber auch ausgesetzten Grat entlang (Stelle 2), bis man nach einem kurzen Gegenanstieg zu P. 2460 direkt über der westlichen Hochglückscharte steht. Am Grat entlang oder etwas südlich davon durch steile Grasschrofen (1-2) zur Scharte, 2387m. 1¼ Stunden von der Eiskarlspitze. Die Rinne in recht unzuverlässigem Brösel ins Kar. Bis auf ein kurzes Schneefeld unter der Rinne war leider alles aper. Ein alter Drahtseilrest im unteren Teil der Rinne ist mehr als fragwürdig befestigt. Ab 2180m über den flachen Karboden (Wiesen, Schutt, schöne Karren) gemütlich den Steinmanndln entlang nach Norden, bis man auf etwa 1765m links über Grasrücken und durch Latschenschneisen auf mehr oder weniger ausgeprägten Steigspuren zum Kirchl absteigt (1570m). Nun auf gutem Weg hinunter zu den obersten Wiesen der Eng (Brantlboden, 1300m). Linkshaltend am Weidezaun entlang zurück zum Radl und zum Alpengasthof Eng (2 gemütliche Stunden ab der Scharte).
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