Mont Blanc, 4810m, „Arête Intégrale du Brouillard“, Stellen 5, ca. 3500hm auf gut 5km Gratlänge3/8/2026
Dann paar SL in eigentlich passablem Fels, wird viel schlechter geredet, als es ist, jedenfalls besser als der folgende Vertikalschotter zum Pic Luigi Amedeo, 4460m. Bis hierher alles trocken und aper. Dann wieder eine mühsame Quererei zum letzten Wandl, dort wohl eine alternative Variante erwischt. 3 SL in senkrecht gestapeltem Würfelzucker, ca. 5. Aber dann wurde der Grat deutlich schöner, nur blöd, dass sich verbleibende Kraft, Höhe und Geschwindigkeit in einem ungünstigen Verhältnis entwickelten. Am frühen Nachmittag streifte uns am Mont Blanc de Courmayeur eine kleine Gewitterwolke (etwas früher als vorhergesagt), die wir in sicherer Lage unter dem Biwaksack aussaßen.
Nach einem wahren Festmahl mit intensiven Entdehydrierungsmaßnahmen (nie mehr schimpfe ich auf Luxus in hochgelegenen Hütten; der enorme Preis auf einer Hütte mit Mont Blanc Monopol ist gleichzeitig ein gewisser Ablasshandel) konnten wir warm und weich liegen. Nur schlafen war schwer: im ersten Teil der Nacht musste erst der Kopf zur Ruhe kommen, im zweiten Teil ging immer dann ein Wecker, wenn die vorangehende Gruppe mit dem Geraschel und dem Gegruschtel in den im Lager verbotenen Rucksäcken fertig war. Um 5 stürzten wir uns in den uns bis dahin unbekannten Quasi-Klettersteig zur Tête Rousse. Und das nach der 4. Mont Blanc Besteigung. Eigentlich kein großes Problem, auch die Querung des berüchtigten Grand Couloirs nicht. Schnell rüber und fertig. Die Masse macht wohl das Problem. Noch ein Stück, dann genossen wir das nächste Angebot der touristischen Infrastruktur: die letzen 1400hm zahnradelten und gondelten wir runter nach Les Houches. War eh schon wurscht, weil wir ja bei der Hütte bereits geschwächelt hatten. Toptour, die über die am wenigsten besuchten 4000er der Alpen führt. Nach einem so schneearmen Winter wie heuer, wird die Wasserversorgung am Grat bald zu Hauptproblem, denn viele Schneeflecken gibt’s nicht mehr. Talort: Courmayeur, 1228m. Da wir planten, über die Goûteroute nach Les Houches abzusteigen (um diese Jahreszeit vermutlich noch der sicherste Abstieg), ließen wir das Auto in Frankreich bei der Talstation des Bellevue-Sessellifts stehen, fuhren mit dem MTB 7,6km zum Busbahnhof von Chamonix (Avenue de Courmayeur) und von dort weiter mit dem Linienbus durch den Mont Blanc Tunnel. €15.- sind wirklich attraktiv, da einerseits die Kfz-Maut sehr hoch ist und andererseits der Bus wenigstens einen Teil des Staus vor dem Tunneleingang auf einer separaten Spur umfahren darf (trotzdem 1 Stunde Verspätung). Mit dem Gratis-Busshuttle (Orange Line) ins Val Veny, Haltestelle 52, Cantine de la Visaille, Endstation), 1650m. Wandhöhe: Vom Einstieg aufgrund der vielen Türme, Nadeln und sonstigen Hindernissen etwa 2500hm Kletterlänge: Von diesem Startpunkt etwa 5km bis zum Mont Blanc de Courmayeur. Auf 8 SL (teils am laufenden Seil) gesichert, sonst seilfrei. Ca. 5x abgeseilt (max. 30m). Schwierigkeit: In der von uns gewählten Einstiegsvariante in der 2. SL Stellen 5-, gleich vom Col Emile Rey weg 5-/5 (4c) und in Steffis senkrechter Bruchvariante nach dem Pic Luigi Amedeo. Ansonsten über weite Strecken ausgesetztes Kraxelgelände im 2. und 3. Grad, gelegentlich kommt einen auch mal ein Vierer unter die Finger. Unterbrochen wird das ganze immer wieder von unangenehmem Schutt, Blockhalden und Bruch. Relative wenige Passagen zum Dahinlaufen, meist ist viel Konzentration gefordert. Die ideale Linie ist oft aufgrund vieler Möglichkeiten (Links um den Turm, rechts vorbei oder doch oben drüber? Querung oder gerade nach oben?) nicht klar ersichtlich und verlang viel Gespür. Die Begehungsspuren im unteren Teil bis zum Col Emile Rey halten sich sehr in Grenzen, die ganzen Beschreibungen im Netz sind nicht viel Wert, weil das ganze Ding einfach zu lang und teilweise auch unübersichtlich ist. Da bleibt nur "Sichtflug". Material: Nur in den ersten drei SL stecken BH, irgendwo am unteren Grat steckte noch einer, ansonsten fanden wir nur noch einen fixen Friend und zahlreiche Schlingenstände zum Abseilen (meist gut bis sehr gut). Die paar gesicherten SL lassen gut mobil verbessern. Zusätzlich zur üblichen Kletterausrüstung ein Satz Totems, 60m-Seil, 6 (alpine) Expressen, paar Seilschlingen und NH sicherheitshalber, Tiblocs oder ähnliches, Erste Hilfeset, Biwakzeug, Leichtkocher, gute Stirnlampe. Steigeisen und ein Eisgerät kamen erste beim Abstieg so richtig zum Einsatz; 1 Schraube, Spaltenbergungsmaterial. Löcher gibt’s genug auf dem Normalweg, auch wenn viele Wahnsinnige allein auf dem Gletscher herumspringen. Erstbegeher: Ab dem Col Emile Rey G. B. Gugliermina & G. F. Gugliermina mit J. Brocherel als Führer vom 18.-20.07.1901, den gesamten Grat von seiner Basis am Miagegletscher rissen sich G. W. Young, K. Blodig, H. O. Jones mit J. Knubel als Führer am 09.08.1911 unter den Nagel. Keine Ahnung, wer die Einstiegsvariante vom Brouillard erstbegangen und fast schon plaisirmäßig eingebohrt hat. Topo/Route: Gute Beschreibung gibt’s eher nicht, aussagekräftige Fotos eigentlich auch nicht. In Teilen hilfreich sind vielleicht die Einträge auf https://www.camptocamp.org/routes/447299/fr/mont-blanc-arete-integrale-du-brouillard. So selten, wie manche behaupten, wird der Grat übrigens nicht gemacht. Vielleicht ist das momentan aber auch nur eine Modeerscheinung. Viele Tipps kann man auch nicht geben. Es sind einfach viel mehr Türme im Weg, als man meint. Der vermeintlich kurze Weg zur nächsten Scharte ist immer länger, als es aussieht. Gefühl für die Wegfindung ist das einzige, was hilft. Wenn wir Türme umgangen haben, dann zu 90% auf der Westseite. Nach dem Pic Luigi Amedeo ist uns die ideale Fortsetzung nach wie vor unklar. Wir sind wohl etwas zu weit rechts gequert und dadurch in sehr steilen und äußerst unzuverlässigen Fels geraten. Vielleicht doch durch die vermutlich sehr steilen, roten Platten vorher? Biwakplätze gibt’s im Col du Brouillard, 3288m, nach dem P. 3781 in einem flachen Sattel, kurz nach der Scharte zwischen Punta Baretti und Mont Brouillard, 3970m (zwei Isomatten lagen bereits dort). Am Mont Brouillard auch, eher schlecht schauts im Col Emile Rey aus, dafür gäbe es direkt auf dem Pic Luigi Amedeo noch eine gute Möglichkeit. Am ersten Tag betrug die reine Kletterzeit vom Brouillardgletscher zum Biwak vor dem Mont Brouillard 11 Stunden (zuzüglich 1,5 Stunden Pause zur Wassergewinnung). Am zweiten Tag betrug die Kletterzeit vom Biwak bis zum Mont Blanc etwa 9 Stunden, der Abstieg zur Goûter Hütte nahm weitere 2½ Stunden in Anspruch. Abstieg: Vom Mont Blanc de Courmayeur, 4748m flach zum Col Major, 4741m und rauf zum Mont Blanc, 4810m (1/4 Stunde). Bei Nebel nicht ganz ungefährlich, denn rechts ist dieses kurze Stück teils überwächtet und ein paar lästige Spalten gibt’s auch. Vom Gipfel der Autobahn folgend flach hinunter zum Rocher de la Tournette, 4677m, dann steiler und teils recht scharf über Petite (4547m) und Grande Bosse (4513m) zur Vallothütte, 4362m. Deutlich flacher zum Col du Dôme, 4240m und lästiger, flacher Gegenanstieg rechts um den Firngupf herum bis es dann auf ca. 4290m wieder bergab geht. Am Schluss wartet dann noch ein kleiner Gegenanstieg zur Aiguille du Goûter, 3867m, bis man dann (fixseilgesichert!) zur nahen Goûterhütte (3835m) absteigt. Vor zur alten Hütte, ebenfalls fixseilgesichert und mit Betriebsanleitung, und den lästigen Felsrücken neben dem Grande Couloir nordwestseitig hinunter. Vor allem oben drahtseilgesichert mit saublödem Einstieg. Wir kannten den Weg trotz zahlreicher Mont Blanc Besteigungen bisher noch nicht … …und waren doch etwas überrascht von einigen steilen, teilweise auch gar nicht so leichten (2-3) unversicherten Kletterstellen. Die berüchtigte Querung des Grand Couloirs war problemlos. Nach etwa 2 Minuten war die andere Seite erreicht, da muss es schon blöd laufen, wenn da eine größere Menge Steine runter kommt und trifft. Verglichen mit dem vorher begangenen Brouillardgrat und seinen vielen Bröselbruchpassagen keine wilde Sache. Die Menge der Bergsteiger und deren teils hier schon auffällig langsames Tempo macht wohl das Risiko. Die Tête Rousse Hütte (3167m) bleibt links liegen, … …über den letzten, aber lästigen Eisrest des gleichnamigen Gletscherchens (nochmal Steigeisen rauskramen oder so rübereiern?) beginnt bei einer Baracke der gute Wanderweg hinunter zum Endbahnhof der „Tramway du Mont Blanc“ (Nid d’Aigle, 2417m). Ein weiterer, lästiger Gegenanstieg. An der Haltstelle „Bellevue“ heißt‘s aussteigen, paar Minuten bergauf zum gleichnamigen Sessellift und runter nach Les Houches. Nicht gerade günstig, da scheinbar fast alles in der Region dem Top of Europe Zuschlag unterliegt, aber komfortabler als ein Fußabstieg. Wir kommen sicher wieder, aber dann zu einer anderen Tour.
1 Kommentar
Chris Leiter
11/8/2026 10:45:35
Gratuliere Euch!
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