Aufgrund der sonnseitigen Exposition ähnliche Problematik wie an der Verte: Ein sehr früher Aufbruch ist unerlässlich wenn man das Lawinen- und Steinschlagrisiko minimieren möchte. Im Couloir zum Talèfregletscher sammelt sich wirklich alles, was herunterrutschen oder fallen kann. Auch das Gipfelschneefeld kann tückisch sein: Bei unserem Aufstieg fanden wir dort im oberen Drittel eine fast meterhohe Anrisskante eines großen Schneebretts vor. Da möchte man nicht raufstapfen, wenn das gerade abgeht. Man sollte also dieses Gelände mögen, denn viel Seilsicherung gibt das Zeitmanagement nicht her, und der Sinn des kurzen Seils in diesem Gelände ist auch nicht immer gegeben. Die alte Diskussion. Auf jeden Fall eine beeindruckende, eher einsame Route auf einen wilden Berg. Hat uns mehr gegeben, als wir uns bei der Planung erwartet hatten. Kein Gipfel, den man mal so eben mitnimmt. Deshalb nach der Dickschen Spaßskala eher Kategorie B: schön war‘s, aber erst wenn alles rum ist. Zustieg: Wie bei der Aiguille Verte beschrieben zum oberen Ende des Jardin du Talèfre, ca. 3020m. Nun teils steil Richtung Beginn des Eperon Centrale hinauf und rechts aufwärts oberhalb eines Bruchs zum Fußpunkt des markanten Couloirs, das zum Eperon Oriental hinaufzieht. Ca. 3350m. Schwierigkeit: Couloir und Gipfelschneefeld max. 50°, im Blockgelände 2-3, der sperrende Felsgürtel unter dem Schneefeld sollte laut Beschreibung max. 4+ sein. Wir sind zu weit rechts geraten und hatten dadurch 1 SL im 6. Grad (Fixcam, Schlingenstand). Ausstieg zum Gipfel mit neuem Fixseil enzschärft (max. 2-3 und Schnee). Material: Doppelseil (für die unteren Abseilstellen angenehm), Satz Totems, Schlingenmaterial; ansonsten die übliche Mixedkletterausrüstung. Ein paar Eisschrauben und Felshaken hatten wir dabei, kamen aber nicht zum Einsatz. Ein Eisgerät reicht an sich, zwei sind zwar schwerer, aber auch angenehmer, v.a. wenn es hart ist. Erstbegeher: Cordier, Middlemore, Oakley Maund, Jaun, Maurer, 1876 (vermutlich noch deutlich schneelastiger damals) Route: Das Couloir ca. 200hm hinauf (45-50°): nicht steil, aber als Lawinenrutschbahn relativ hart und zum hier gratähnlichen Eperon Oriental. Über einen Firngrat zur blockdurchsetzten Flanke und auf dem Weg des geringsten Widerstands (max. 3) weiter. Da dieses Blockzeug mit ein paar Steilstufen extrem unübersichtlich ist und wegen überall herumhängender Abseilschlingen unzählige Fußspuren vorhanden sind, ist die Ideallinie schwer zu finden. Wir sind deshalb zu weit rechts gequert. Ein Fixcam von einem früheren Versuch sprach klare Worte. Meine Vorstiegsgarantie zog das einfach durch, 4b wie im Führer beschrieben war's jedenfalls nicht. Auf eine abdrängende, plattige Querung folgte ein überhängender Piazriss, der reine Genuss mit Schistiefeln und Steigeisen. So 6 rum dürfte da schon zu klettern sein. Eine weitere SL (ca. 3) brachte uns zum Gipfelschneefeld, wo wir bald auf die von weiter links heraufkommende Hauptspur trafen. Weiter über das steile Schneefeld (ca. 50-55°, Schneebrettgefahr) zu einem Grat, der recht anregend zu einem Felszapfen führt. Hier beginnt ein Fixseil mit nicht immer ersichtlicher Qualität und Befestigung, dem man in leichter Kletterei (max. 2-3) zu einer Mulde unter einem der Gipfelgratzapfen folgt. Links herum und gerade über Schnee zum höchsten Punkt. Abstieg: Entlang der Aufstiegsroute, im Bereich unterhalb des Gipfelschneefelds zahlreiche Abseilstellen quer über den ganzen Felsriegel. Im Couloir, das man am schnellsten absteigt, tauchen erst ganz unten ein paar Abseilstellen unterschiedlicher Qualität auf, die über den Bergschrund helfen. Aufgrund der SW-seitigen Exposition weicht das Couloir nicht ganz so schnell auf wie das benachbarte Whympercouloir an der Verte und auch der Steinschlag lässt sich etwas mehr Zeit, aber zu viel Zeit sollte man sich auch nicht lassen. Jetzt im späten Frühjahr sollte man spätestens gegen 10 Uhr wieder am Wandfuß sein. Dank Tourenschi waren die nächsten 1000hm angenehm und schnell. Im weiten Rechtsbogen hinunter zum Jardin de Talèfre. Linkshaltend über schöne SO-Hänge (schnell aufweichend) in den Talboden gesulzt und diesen flach hinaus (teils Toteis), bis man auf ca. 2420m auf den Verbindungsweg vom Réf. Leschaux -Réf. Couvercle trifft. Bei viel Schnee mit Schi bis zum Leschauxgletscher und übers Mer de Glace zur Seilbahn von der Eisgrotte zum Montenvers. Hier freuten uns die Schi im Vergleich zu den Fußgängern noch, als dann auch diese am Rucksack hingen nicht mehr so ganz. Denn bei wenig Schnee ist hier Schluss mit Schi und man muss den versicherten Steig erst mal bergauf zur Couverclehütte, 2679m, und über den neuen Hüttenweg zurück. Über den alten Leiternsteig „Les Egralets“ kann man laut Hinweisschildern mit Totenköpfen und ähnlich schrecklichen Dingen nicht mehr absteigen. Alle Versicherungen und Leitern wurden im Herbst 2025 säuberlich abgeflext. Man kann wohl noch abseilen (30m/30m/30m/55m/20m), aber die Route ist vor allem im überhängenden Bereich unten schwer zu finden und ohne mindestens 2x60m Seile nicht möglich. Also besser den neuen Weg nutzen oder auf einen schneereichen Winter warten. Wenn die Seilbahn zum Montevers gerade Revision hat (wie bei uns), kommen weitere knapp 300hm Gegenanstieg und viele hundert Klammern dazu, bevor dann die Zahnradbahn die Wohltaten des Tales schnell näher bringt.
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