Nach einer der wenigen leichteren Längen folgt Highlight auf Highlight: Steile, teils überhängende Risse und Platten in wasserzerfressenem, absolut zuverlässigem und enorm griffigem Fels. Trotz der ordentlichen Länge wird die Tour nie langweilig, im Gegenteil, man möchte am liebsten gar nicht mehr aufhören. Selbst die letzten drei, deutlich leichteren Längen auf den gipfelähnlichen Pfeilerkopf (Pichlwarte) machen Spaß. Die Tour wird zurecht viel begangen und ist aufgrund der nordostseitigen Exposition sogar ab dem frühen Morgen bist etwa mittags in der Sonne. Am 20. Stand befindet sich rechts in einem Querriss das Wandbuch versteckt. Leider ist der Behälter (ein Weckglas) für dieses Klima ungeeignet und das Wandbuch deshalb abgesoffen. Vielleicht könnte eine der nächsten Seilschaften ein neues Buch samt Behälter spendieren. Für schnelle Seilschaften besteht die Möglichkeit, vom Pfeilerkopf in die NO-Kante (Pichlroute) einzuqueren und in weiteren 5-6 SL (4+, klassische Kaminkletterei) zum Langkofelgipfel aufzusteigen. Diesen prominenten Dolomitenberg bekommt man aber nicht geschenkt, denn nach dann etwa 30 SL steht noch ein sehr langer, komplizierter und nie einfacher Abstieg zur Langkofelscharte auf dem Programm. Wir mussten aus knietechnischen Gründen darauf verzichten und seilten ab, was eigentlich recht zügig ging. Nur einmal verhängte sich das Seil beim Abziehen, so dass eine der schwierigeren Seillängen noch mal geklettert werden musste bzw. durfte. War eher eine Belohnung! Vielen Dank an die Erschließer, dass sie sich die ganze Arbeit aufgeladen und hier ein echtes Juwel geschaffen haben. Ihr habt uns einen tollen Klettertag bereitet, denn was da herausgekommen ist, kann schlicht und einfach nur als Klettertraum bezeichnet werden und ist sicher eine der besten Touren der ganzen Dolomiten! Damit es ein Traum bleibt und kein Alptraum wird, sollte man natürlich nur bei stabilem Schönwetter einsteigen, aber das ist bei einer Tour dieser Länge eigentlich selbstverständlich. Den Schwierigkeiten sollte man auch gewachsen sein, sonst kommt keine Freude auf und die Länge rauf wie runter auch. Zustieg: Lange Route, kurzer Zustieg. So muss es sein. Parken ist nicht einfach in dieser Ecke Südtirols, zumindest wenn man nicht so viel Parkgebühr bezahlen möchte, dass man am Ende den Eindruck hat, die paar Quadratmeter Stellplatz gekauft zu haben. Aber mit ein bisschen Kreativität geht immer noch was. Als Ausgangspunkt nahmen wir nicht, wie oft beschrieben, das Sellajoch, sondern Plan Gralba, 1790m und fuhren bzw. schoben die MTBs über eine relativ steile Schotterstraße hinauf zum Rif. Comici, 2153m (Radldepot). Nördlich auf markiertem Weg fallend unter der Wand des P. 2213 durch und vor einem Bach (ca. 2100m) auf Steigspuren links hinauf auf das Grasband unter der Langkofel NO-Wand und über einem Felsriegel. Einstieg am Ende des Bandes bei einer fixen SU-Schlinge. 2179m, N46,52971°/E11,73605°. Etwa 30m links oberhalb befindet sich eine große Höhle. 1¼ Stunden ab Plan Gralba. Wandhöhe: ca. 670m Kletterlänge: ca. 740m auf 23 Seillängen (ohne am laufenden Seil zu klettern, aber durch Zusammenfassung kürzerer SL sind wir auf 18 SL gekommen; spart Seil durchziehen). In stressfreier Kletterei, mit einem noch nicht voll belastbaren Knie und ohne in irgend einer Form auf die Tube zu drücken, haben wir etwa 7¾ Stunden gebraucht. Vielleicht helfen die Zeitangabe etwas bei der eigenen Planung. Schwierigkeit: Im ersten, eher flachen, plattigen (SL 1-12) meist um 5 mit kurzen Stellen um 6 herum. Im oberen Teil anhaltend 6/6+ (SL 13-20), nur ganz oben deutlich leichter (SL 21-23). Recht human bewertet; 6+ scheint etwas hoch gegriffen, aber das ist wie immer Geschmackssache und das Tourenbuch freut sich auf jeden Fall. Material: Bis auf einen (dicke Sanduhr mit fixer Schlinge und Maillon) sind alle Stände mit je einem Ringbohrhaken und einer, meist gebohrten Sanduhr (inklusive Schlinge) eingerichtet. Scheinbar wurde bei den Bohrhaken verzinktes Material und Edelstahl vermischt, was manchmal leider jetzt schon zu deutlich korrodierten Dübeln und Muttern führt. Sicherheitshalber einige Seilstücke und ein Taschenmesser mitnehmen, dann können ggf. BH und fixe SU-Schlingen verbunden und älteres Material ausgetauscht werden. Ansonsten mit zahlreichen fixen SU-Schlingen (auch oft gebohrt) und NH abgesichert. An den schwierigen Passagen recht gut, in leichteren Passagen und dort, wo gut mobil abgesichert werden kann, in weiteren Abständen. Durch die fixen Schlingen ist die Route problemlos zu finden. Übliche Alpinkletterausrüstung, 12 Express (auch alpine), 60m-Doppelseil, ein Satz Totems oder so (bis #3), Schlingenmaterial, sicherheitshalber eine kleine Stirnlampe, Biwaksack und Hardshelljacke. An warmen tagen genug zu Trinken, da die Sonne länger in die Wand knallt, als man das bei einer Wand dieser Exposition erwarten würde. Erstbegeher: I. & E. Rabanser, H. Grill, F. Kluckner; 2017 Abstieg: Wer nicht zum Gipfel aussteigen will oder kann, seilt über die Route ab. 17 Mal, 30-60m. Im leichten Ausstieg oben und ab dem 12. Stand runterwärts besser den Ersten ablassen. Wir brauchten mit einem Seilverhänger und der damit verbundenen Zusatzseillänge 2¼ Stunden. Route: Ergänzungen zum hervorragenden Topo im Panico Kletterführer „Best of Dolomiten“ von Ivo Rabanser, einem der Erstbegeher. SL 1-3: Teils grasig, nicht immer ganz zuverlässiger Fels, lange nass SL 6&7: Lassen sich gut als eine SL klettern. SL 8&9: als 60m Länge gut machbar
SL 10&11: als 60m Länge gut machbar SL 13&14: die schönsten vieler schöner SL, gut als eine SL kletterbar SL 15: Am Ende kompakter Fels und relativ schlecht absicherbar; die anspruchsvollste SL? SL 16: Über gelben Fels gerade zu Überhang (schlechter Cam), griffig darüber, erst weit danach SU SL 17&18: Lassen sich gut als eine SL klettern; die „kühnen Risse“ sind einfach nur schön SL 22&23: Lassen sich gut als eine SL klettern
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März 2026
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