Auf den komfortablen MTB-Zustieg bis kurz unter den Einstieg folgt eine deutlich zweigeteilte Kletterei: im plattigen Vorbau bester, rauer Fels mit guter Absicherung und problemloser Routenfindung, ab der Burg wird’s eher rustikal. Paar teils brüchige SL, mehr oder weniger steiles Gras, Schrofen und eine nicht ganz einfach zu findenden Ideallinie. Steigspuren sucht man auf diesem mittlerweile kaum noch gemachten Gipfelausstieg vergeblich und außer ein paar Schlaghaken und Schlingen steckt auch kein fixes Material. Gehobene Genusskletterei unten, alpines Abenteuer oben, insgesamt ein toller Bergtag, der den alpin angehauchten Kletterer anspricht. Dazu noch ein nicht ganz kurzer und im oberen Teil auch steiler Abstieg, für den die Konzentration auch nach 750hm Kletterei noch reichen muss. Talort: Musau, 821m, Wanderparkplatz ober halb der „Bärenfalle“ (Restaurant), ca. 875m Zustieg: Mit dem MTB erst recht steil, dann zunehmend gemütlicher der Beschilderung folgend durchs Reintal zur Musauer Alm, 1290m. 1,2 km weiter auf der Straße bis kurz vor der Füssener Hütte (bzw. Otto Mayer Hütte) auf etwa 1390m (N47,50782°/E10,62406°) bei einem Wegweiser links der Wanderweg Richtung Nesselwängler Scharte abzweigt. Radldepot nach 6,1km und 520hm. Diesem Weg folgt man nach der Querung des Sababachs etwa 10 Minuten, bis man auf einen Graben trifft. Bei einem Steinmanndl (1490m, N47,50533°/E10,62640°) verlässt man den Weg und geht geradeaus weiter über den Graben und ausgeschnittene Latschen, bis man nach etwa 5 Minuten auf eine Schlucht unter der plattigen Wand trifft. Durch diese weitere 5 Minuten (max. 1-2) hinauf zu markanten Klemmblöcken. Einstieg (1490m, N47,50541°/E10,62822°). Kein Standhaken, aber den ersten BH sieht man links des Klemmblockes in der Platte, ca. 5m über dem Einstieg. Kletterlänge: 580m auf 14 SL bis zur Burg (Ende des „gotischen Fensters“ und weitere 360hm und etwa 4-5 SL (plus jede Menge leichtere seilfreie Kletterei und Gehgelände) zum Gipfel. Wandhöhe: 390hm zur Burg, weitere 360hm zum Gipfel und somit insgesamt 750hm. Schwierigkeit: Im unteren Teil anhaltende Kletterei überwiegend im 5 Grad mit zahlreichen, auch etwas längeren Stellen im 6. und unteren 7. Grad bei teilweise eher harter Bewertung. Die Route ist gut mit Expressankern abgesichert, allerdings nicht im Plaisirabstand. Der geforderte Schwierigkeitsgrad ist zwingend frei zu klettern. Oft steckt der 1. ZH am Anfang der Seillänge recht hoch. Am „leichten Nordgrat“ kurze Stellen im 4. und unteren 5. Grad, viel Kraxelgelände (2-3, Gras, Schrofen, Gehgelände). Material: Übliche Kletterausrüstung, 50m Doppelseil, 8-10 Expressen, darunter auch ein paar alpine, ein Satz Totem Cams (schwarz bis rot, 0,5-1,5, zwar selten, aber eben halt doch immer wieder einsetzbar), Bandschlingen. Route: Sehr gutes Foto im alten A4-Führer von Toni Freudig, recht genaues Topo im Panico Kletterführer „Allgäu …“. Ergänzungen: „Durchs gotische Fenster“: Anzahl der BH und Linie sind im Panico Topo sehr genau wiedergegeben, so dass man die Route problemlos findet. Auch die BH sind so gesetzt, dass man den nächsten meist gut sieht und gleich weiß, wo es weitergeht. Längenangaben passen gut. 1. SL: Einstieg ohne BH, im Grund der Rinne bleiben, rechts hoch und Umfaller zur gegenüberliegenden Wand, BH von unten sichtbar. Nicht die Rinne weiter. 6. SL: Schaut teils wild aus, ist aber ein rauer Henkel- und Erosionsrillenspaß. 8. SL: Deutlich länger, ca. 40m. Recht flache Linksquerung, Stand weit links und ein Stück unter der plattigen Fortsetzung. Nicht gleich sichtbar. 9. SL: Hoher 1. BH, dann bis zum 3. BH am schwierigsten. Rechts auf Band mit anschließender Plattenquerung links (Cam 0,5 & 1,5) etwas leichter umgangen. Am 3. BH wieder auf der Route. Schwierige Plattenkletterei, anhaltend. 12. SL: Vom WB (mit viel Prominenz) die Kaminrinne links hoch. Abzweig rechts übersehen und gerade hoch in die Schrofen. Dadurch entfiel die 13. SL. Seilfrei hoch zur Scharte vor der Burg mit dem 1. Abseilstand für des Abstiegs von hier. Ca. 1880m. Bis hierher waren wir in recht gemächlichel Tempo etwa 4,5 Stunden unterwegs. „Leichter N-Grat“: Seilfrei weiter auf schwachen Trittspuren links (östlich) um die Burg rum (Latschen, leichte Schrofen) in Scharte. Gegenüber markanter Kamin (eher Schlucht). Brüchig rechts in diesen einqueren (4) oder eine Rinne ein paar Meter zum Beginn des Kamins abklettern (2). Durch diesen und immer wieder etwas rechts davon zu einem Felsentor, durch dieses und links zu Köpflstand am Grat. 60m, 5-, 1 alte SU, 1 NH. Relativ beliebig dem Weg des geringsten Widerstands auf der Ostseite unter Löwenzahn und I. Kelleturm links ansteigend in die Scharte zwischen I. und II. Kelleturm (2 neuere Schlingen). Etwa 20m auf ein Band (3+) und zu Stand an NH unter Riss auf der NO-Seite (hier geht der direkte Grat durch den Riss rauf, 5+). Das gutmütige Band bis unter die Scharte zwischen II. und III. Kelleturm horizontal queren. Links absteigend beginnt hier der nordseitige 5+ Riss zum Turmgipfel. Wenige Meter in die Scharte (3), Stand an Köpfl mit fixen Schlingen. Westseitig 25m abseilen. Unter dem wuchtigen III. Kelleturm (2089m) westseitig durchqueren und einige Rinnen querend zur Scharte hinter dem Turm, 2055m. Dem Grat entlang oder etwas rechts ausweichend, wieder ein paar lästige Rinnen querend auf Grasköpfl (max 2, teils steileres Gras). Jenseits in wenigen Schritten zum markierten Normalweg und zum nahen Gipfel. Weitere 2 Stunden (4 SL gesichert, 1x abgeseilt), mit kurzen Pausen 7 Stunden vom Einstieg. Abstieg: Vom Gipfelkreuz über den markierten Normalweg durch die Westrinne. Teilweise leichte Kletterei, ein paar versicherte Passagen und ein längerer Gegenanstieg zur Nesselwängler Scharte. Auf dem teilweise versicherten Wanderweg durchs Kar zum Sohlerfelsen, 1635m und zurück zum Radldepot.
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