Nach einer Sonnenpause folgte noch ein kurzer, konzentrierter Abstieg durch die Schrofen, bevor uns dann eine gute Reißen, schöne Wiesen und ein eher gemütlicher Wanderweg zurück zum Radl und ins Tal brachten. Ein einsamer, sehr intensiver Klettertag mit vielen schönen Kletterstellen und eher weniger Bohrhaken! Funfact am Rand: Bei der MTB-Abfahrt vom Marienberg kam uns eine Gruppe schiebender E-Biker (Akku!) entgegen, die das Marienbergjoch mit dem Fernpass verwechselt hatten. Unglaublich, wie gut vorbereitet manche unterwegs sind. Charakter: Herrliche Kletterei an sehr rauem, festem Fels. Meist Platten mit seichten Erosionsrillen und Löchern. Herzstück ist ein kurzer Risskamin mit knackigem Beginn, der von Kaminhassern in 2 SL mit einem fallenden Linksquergang und einer zunehmend leichteren SL über einen Plattenrücken umgangen werden kann. Die beiden Plattenseillängen zum Wandbuch sind ebenfalls anspruchsvoll, erfordern neben einer guten Fußtechnik auch einen Blick für solide Placements. Dadurch wird diese Tour trotz bester Felsqualität und abwechslungsreicher Kletterei noch lange in einem fast unberührten Zustand bleiben, woran auch der relativ erträgliche Zustieg (zumindest bei Technikeinsatz) wenig ändern wird. Bevor man sich allerdings über diese Art der Absicherung beschwert, sollte man bedenken, dass diese herrliche Linie von unten und ohne vorherige Erkundung erschlossen wurde. Alle Bohrhaken wurden aus der Kletterposition und ohne irgendwelche faulen Tricks gesetzt. Aufgrund der sonnseitigen Lage ist die Tour nach Regenfällen schnell trocken (nur der Kamin braucht länger). Schon der Zustieg durch eine fast schon hochalpine Landschaft macht Laune, ganz zu schweigen von einem Panorama bis zu den höchsten Ötztaler Gipfeln. Wandhöhe: 150 hm zum Turmgipfel Kletterlänge: 5-7 Seillängen, 200-240m Kletterlänge (je nach Variante) Schwierigkeit: Recht anhaltend im 6. Grad, ein paar Stellen schwieriger, nur in der 3. und letzten SL leichter, E 3+. Die Route ist mit Spreizankern in teilweise weiten Anständen eingerichtet. Selbst falls in nächster Zeit noch ein paar dazukommen sollten, ist es immer noch keine Plaisirabsicherung! Eigeninitiative ist absolut nötig, was in dem plattigen Gelände der 1. und 5. SL nicht immer einfach ist und ggf. zu längeren Runouts führen kann. Der angegebene Schwierigkeitsgrad muss sicher im Vorstieg beherrscht werden, ebenso der Umgang mit mobilen Sicherungsgeräten. Material: 2 BH an den Ständen bzw. 1 BH am Einstieg; 2-6 Zwischen-BH, weitere Absicherung mit Friends etc. dringend nötig. 8-10 Expressen, einige Bandschlingen, Totemcams 0,5 (schwarz) – 1,8 (orange), 60m-Doppel-/Zwillingsseil. Zustieg: Von Biberwier, 1012m am bequemsten per Auffahrt mit der Sesselbahn zum Marienberg, 1640m (Radtransport gegen Gebühr). Oder etwas höher an der alten Fernpassstraße (P auf 1090m beim Abzweig des Fahrwegs zum Waldhaus Talblick) mit dem MTB auf der teils steilen Schotterstraße dorthin. Nun gemeinsam noch 0,9km sehr steil und grob bis zum Marienbergjoch, 1780m. Dann zu Fuß weiter über den Weg Richtung Hölltörl, bis man auf etwa 2020m bei einem markanten Riesenblock mit weißer Markierung (N47° 20,831‘/E10° 54,879‘) über Wiesen, Schutt und Grasschrofen direkt in Falllinie des Vorbaus ansteigen kann. Rechts um den Vorbau herum (Einstieg „Raue Welt“ und „Schweigen der Lämmer“, N47° 20,782‘/E10° 54,896‘, 2221m) und weiter rechtshaltend über Schrofen und Gras zu Platte mit BH N47° 20,794‘/E10° 54,986‘, 2298m). Einstieg „Hosenmörder“, Routenname auf Metallplättchen angeschrieben. Vom Marienbergjoch in 1-1¼ h gut machbar. Erstbegeher: Steffi, Christine und Stefan Feistl am 12.07.2020 von unten. Topo & Routenbeschreibung: https://www.geiselstein.com/uploads/8/4/4/0/84402202/gr%C3%BCnsteinturm-hosenm%C3%B6rder_t_b.pdf Ergänzungen zum Topo: 1. SL: Bis zum 3. BH sehr weite BH-Abstände; mobile Placements sind nicht üppig und auch nicht immer leicht zu erkennen. Wohl eher 6+/7-. 2. SL: Der Riss ist weniger wild, als es aussieht und relativ gut spreizbar aber eben länger nass. Dann besser die deutlich längere rechte Umgehung nehmen. 3. SL: Zum Stand hin ist die Kletterei links der BH etwas leichter als die Platten rechts davon. 4. SL: Schlüsselstelle der Tour beim Loch zwischen 1. und 2. BH gleich über dem Stand. Eher 7. 5. SL: Rechts plattig und schwierig absicherbar aufwärts. Der nächste BH ist hoch und vom Stand schlecht zu erkennen. Etwas weiter rechts ausholend findet man etwas leichtere Kletterei durch freispitzartige Erosionsrillen. Beim 2. BH trifft man wieder auf die schwierigere Originallinie. Nach Überquerung einer Kante ansteigender Linksquergang zum Stand mit Wandbuch. 6. SL: Nur etwas für Sammler von Türmen oder wahre Alpinisten, muss wieder abgeklettert werden. Wer dieses Gelände nicht mag, seilt am besten vom WB ab. Abstieg: Abseilen über die Route (ab WB, siehe oben), eingerichtete Abseilstände (2x45m, 25m, 45m). Weiter auf dem Zustiegsweg. Vom Marienberg genussreiche 7,3km MTB- Abfahrt nach Biberwier.
0 Kommentare
Antwort hinterlassen |
Kategorien
Alle
Archiv
September 2026
|