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Glaswand, Bayerische Voralpen, 1496m, NW-Wand „Nagelbrett“ 6 (2 SL) & „Geduldsfaden“ 7- (9 SL)

19/6/2026

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Bild
Abseilen zum Grasgrat; grün wie im Allgäu, Fels wie im Oberreintal
Charakter: Beeindruckend hohe, der Benewand noch weit vorgelagerte 200m-Wand. Die Kletterei in diesem bis zum späten Nachmittag schattigen Winkel ist steil, die Felsqualität gut bis sehr gut, allerdings fühlt man sich gelegentlich an den Rädlergrat erinnert. Die Wand ist stark gegliedert und weniger kompakt, als es von weitem den Eindruck macht. So sind die Felsstufen immer wieder von längeren Steilgraspassagen unterbrochen. Teilweise wächst das Gras selbst in senkrechten Abschnitten dermaßen fett, dass man sich wirklich ans Allgäu erinnert fühlt. 
Bild
Nur mit dem Radl sinnvoll.
Bild
„Nagelbrett“, 2. SL, naja, …
​Aufgrund dieser Tatsache sollte man nach Regen etwas länger warten, denn die grasigen Passagen speichern den Niederschlag wie ein Schwamm und geben selbst 2 oder 3 trockenen Tagen noch Feuchtigkeit ab. Wer die Tour in nächster Zeit klettern möchte und etwas Gutes tun will, kann ein Messer und einen Schwung Seilstücke mitnehmen, um die in die Jahre gekommenen Seilstücke an den Ständen zu ersetzen. Wer noch motivierter ist, kann das mittlerweile recht mürbe 20m-Fixseil im oberen Wandteil austauschen. An sich ist das Ding zwar nicht nötig, erleichtert aber einen Abstieg per Abseilen. 
​Der schnellste Weg runter ist ohnehin der Fußabstieg. Das Rucksackdepot errichtet man besser gleich am orange markierten Abzweig vom Wanderweg zum Wandfuß; dieser Weg kommt von der Glaswandscharte, so dass man sich mühevolles Steilgrasgequere zu Einstieg sparen kann. Insgesamt lohnende Kletterei auf einen einsamen Gipfel mit tollem Blick auf die Seen im Vorland. Der „Nur-Kletterer“ wird aber in diesen Touren nicht glücklich werden.
Zustieg: Von Benediktbeuern (großer, gebührenpflichtiger Parkplatz am Alpenwarmbad, 659m) 
Bild
Da geht sie los, die Longline der Glaswand
​über die mäßig steile, gute Forststraße in mehreren großen Kehren hinauf zu einer Art Sattel („Auf der Rast“, ca. 1050m) und jenseits hinunter zur Kohlstatt (Hütte mit Brunnen, 1021m). Unmittelbar vorher rechts abzweigen. Immer dem Hauptweg folgend, erst flach, dann noch einmal länger ansteigend in den Sattel zwischen Schwarzenbergkopf und Gamskopf, knapp 1200m. Nun eben bis leicht fallend in die „Grube“, bis rechts ein Karrenweg abzweigt. Über diesen noch ein paar Meter Richtung Glaswand, bis der Weg steil und sehr grob wird. Radldepot (2,8km und 160hm ab der Kohlstatt). 
​In südlicher Richtung dem anfangs steilen, verhauten Karrenweg weiter. Nach einer wieder besseren, flachen Passage zweigt rechts eine schwache Steigspur (orange Punkte) zur Wand ab. Über gerölldurchsetztes Gras gerade zum Wandfuß oberhalb markanter Buchen. Der Einstieg des „Geduldsfadens“ ist ein paar Meter links (östlich!) unterhalb des höchsten Punkts des Grashangs und auf einem kleinen Metalltäfelchen angeschrieben. Etwas rechts des Grashangs startet unter einer Rinne das „Nagelbrett“. In der Zustiegsbeschreibung der Erstbegeher etwas missverständlich formuliert!
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Wo kein Gras wächst, findet man gummifressend rauen Fels
​Nur mit MTB sinnvoll, zu Fuß nur schwer ohne Tobsuchtsanfall überlebbar! 6,6km/540hm ab dem Alpenwarmbad.
Schwierigkeiten: Das kurze Nagelbrett anhaltend 5 und 6, der Geduldsfaden im unteren Teil anhaltend im 6. Grad mit Stellen 7. Ab der 6. SL längere Steilgraspassagen, teils mit mürbem Fixseil, Stellen bis 6+, aber auch längere leichtere Abschnitte. Eher streng bewertet.
Material: übliche Alpinkletterausrüstung; 60m Doppelseil (falls man abseilen möchte), Klemmgeräte können verwendet werden, sind aber eigentlich nicht unbedingt nötig. 
12 Expressen, darunter ein paar alpine. Die Touren sind sehr gut mit BH und ein paar fixen Schlingen abgesichert; im „Nagelbrett“ ist das fixe Material etwas in die Jahre gekommen.
Route: Sehr gutes Topo des „Geduldsfadens“ mit Beschreibung auf https://www.alpines-klettern.de/neutouren/skripte/GW/Geduldsfaden.pdf. Das „Nagelbrett“ und weitere Baseclimbs findet man im Panico Kletterführer „Bayerische Alpen Band 3“ von Markus Stadler.
Ergänzungen „Geduldsfaden“:
1. & 2. SL trotz der Kürze besser nicht zusammenhängen. Saumäßiger Zug in der 7er-Länge!
4. SL: Beim 3. (vom Stand sichtbaren und irritierend weit rechts gesetzten) BH an Henkel links raus ins Gestrüpp; grasige Verschneidung gerade rauf als logischer Weg geht genauso; gut mit der 5. SL zusammenzuhängen.
​
​6. SL: Gerade und leicht rechts zum Stand, an dem das (mittlerweile mürbe) Fixseil befestigt ist. Am besten gleich weiter. Dem Fixseil entlang, am Schluss mit Allgäufeeling steil zum Ende des Grasgrates. Stand etwas rechts unterhalb des höchsten Punktes des Grasgrats an der nächsten Wand. Kein Wandbuch mehr gefunden?? 55m
7. SL: im Topo viel zu lang eingezeichnet ; besser gleich an die 6. SL anhängen; 32m
8. SL: Herrliche, oben raus aber anstrengende Risskletterei.
9. SL: Den irritierend weit rechts gesetzten, nächsten BH am besten ignorieren ​...
Bild
Blick zu Benewand
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Ammer- & Starnberger See; die Wiese der Kohlstatt
... ​und links davon ins Gestrüpp. Den BH rechts und die arg gekünstelte Miniverschneidung kann man ruhigen Gewissens rechts liegen lassen und über die leichten Schrofen und Grasrinnen zum Kreuz aussteigen. 45m (statt 30m im Topo)
„Nagelbrett“:
Absolut unlohnende, oben raus gekünstelter 2-SL Krampf. Viel Gras, oft dreckiger Fels, da Teile der Route bei Regen als Abflussrinne benutzt werden. Manchmal etwas knuspriger Fels. BH an den Ständen teils mit lockeren Laschen, teils rostig. Wenn’s was kurzes sein soll, besser eine der Routen weiter rechts nehmen!
​Erstbegeher: „Geduldsfaden“: Thierolf, Meier & Sattler, 203; „Nagelbrett“: Hornauer & Schröder, 2010;
Abstieg: Vom Gipfel am schnellsten den Grat nach Osten auf schwachen Steigspuren zur Glaswandscharte (ca.1330m) absteigen. Wer idealerweise nichts am Einstieg zurückgelassen hat (s.o.), kann von hier über einen unbezeichneten, aber recht guten Weg direkt zurück zum Radl gehen. Alternativ kann auch abgeseilt werden; auch vom Gipfel gut möglich, aber nur dann, wen niemand nachkommt! 
Bild
Im Karwendel brodelts bereits
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Eigentlich eine mordstrumm Wand für diese Lage
​Das vorhandene Schlingenmaterial muss ggf. erneuert werden. Mit 45-60 Minuten deutlich länger (aber knieschonender) als der Fußabstieg. Aufgrund der latschen und grasdurchsetzten Ausstiegslängen hat sich folgende Einteilung bewährt:
1. Vom Gipfelkreuz (Schlinge) durch grasige Rinne zu dicker Buche abseilen (Schlinge); ca. 15m
2. Gerade über Schrofen zu Absatz mit Latschen und Laubbaum, steil zum Stand #8; ca. 30m
​3. Über die senkrechte Wand zum Grasgrat, diesen entlang bis zum Zwischenstand; Beginn Fixseil; ca 50m
4. Fixseil am Grat entlang, am Schluss steil zu Stand #6; Fixseil teils mürb, besser sichern
5. Gerade zu Stand #4; ca. 45m
6. Gerade zu Stand #2; ca. 50m
7. Gerade zum Einstieg; ca. 50m
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