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Auf der Liste mit den Tourenzielen, die in mein derzeitiges Rehasportkonzept (d.h. möglichst kurzer Zustieg/Abstieg und im Idealfall Kletterei ohne die Notwendigkeit der kompletten Kniebeugung) standen eigentlich zunächst andere Ziele. Diese mussten jedoch durch das fehlende Auffinden eines trockenen Wetterberichts über den Haufen geworfen werden und so landeten wir letztlich an der Falkenwand. Denn mit diesem Ziel war klar, dass wir spätestens unter dem Riesendach vor Regenschauern sicher sind. Stellt sich nur die Frage, wie wir dort hinkommen, denn eigentlich müssten wir dafür über die ersten beiden Längen der Ostwand klettern. In der Realität war bereits die erste Länge unangenehm nass, schlonzig, grasig … weitere passende Adjektive zur Erhöhung der Attraktivität erspare ich potentiellen Schlechtwetterwiederholern, die über diesen Bericht stolpern. So packte ich bereits von Anfang an meine hoffentlich dafür ausreichend vorhandenen Fähigkeiten im technisch hocharbeiten aus und nach einer gefühlten Ewigkeit war der erste Stand erreicht. Nachdem ich zugegebenermaßen danach bereits das erste Mal etwas durch war (der Kopf ist wohl nach einer längeren Zwangspause und mit der im Moment zentralen Einstellung "Ja-nicht-stürzen-wollen" auch nicht mehr das, was er mal vorher war) ging es für Sandra in der nun zumindest stellenweise trockenen zweiten Seillänge weiter. Erholt konnte ich nachsteigen, um bereit für die eigentliche Tour zu sein. Im Dach gibt es einen markanten gelben Wandbereich, in welchem sich die im Topo versprochenen Stichtbohrhaken befinden, die wir jedoch erst nach längerem Suchen fanden. Der erste Haken (ebenfalls zunächst schlecht zu sehen, jedoch durch ein modriges Seilstück dann doch sichtbar) muss jedoch angeklettert werden, wobei Cams eine mäßige Absicherung ermöglichen. Dann erst kann die Leiter ausgepackt werden und es geht ans Angeln der nächsten Haken. Für Menschen unter 1,67 auf jeden Fall sehr mühsam. Vielleicht sollte bei A1-Routen mal über die Angabe von der Mindestkörpergröße nachgedacht werden (?). Auch wenn ich gehofft hatte, einfach von Haken zu Haken im Dach hochwerkeln zu können, war ich für diesen Fall zumindest etwas vorbereitet. So packte ich die im Zustieg gesammelten und zerkleinerten Äste aus meiner Hosentasche aus, klemmte sie in den Schnapper der Express ein, damit dieser offen ist und schrubbte in der obersten Stufe der Leiter stehend so hoch wie ich kam, um dann dynamisch irgendwie vor dem Wirken der Schwerkraft die Express in die Öse zu treffen. Bescherte mir, wie ich dann zu Hause herausstellte, ein recht eindrückliches Hämatom an der Oberschenkelinnenseite, aber immerhin am gesunden Knie, wenn man mal das Positive daran sehen will. Sonst gäbe es evtl. bei der Physio eine Erklärungsnot, was ich schon wieder getrieben hätte ... Regelmäßiges zählen der bereits unter mir erfolgreich angehechteten Haken, um den Fortschritt dieser irgendwie sinnlosen Aktion zu sehen, half als Motivation den noch bevorstehenden Weg bis zur Dachkante hinter mich zu bringen. Da es ehrlich gesagt eine zache Geschichte war, nachdem jeder Haken doch recht mühsam mit einem kleinen Kampf erreicht werden musste. Endlich an der Dachkante angekommen konnte man die Leiter mit einem Pecker bzw. vmtl. auch Cliff in ein perfektes Loch hängen (vmtl. wird das sich darin befindliche Schuhband noch länger dieses Loch markieren; ob sich damit mal jemand gesichert hat oder welche Funktion es genau hatte, will ich gar nicht wissen) und mit Hilfe erstaunlich guter Henkel dem Dach entfliehen. Der Nachteil, wenn man aus dem Dach raus ist? Man wird nass, wenn es wie in unserem Fall regnet. Charakter: „Wilde luftige Kletterei.“ Diese Beschreibung trifft es ziemlich gut und dem muss bzw. kann auch nichts mehr hinzugefügt werden. Der Zustieg über die Ostwand ist bei Nässe eher unangenehm, aber ohne Freikletterambitionen technisch (mit Peckern und Cams) realisierbar. Kletterlänge: 4 SL Zustieg: Von Oberammergau kommend am Frauenwasserl vorbeifahren und die Radl bei einer Stange auf der linken Straßenseite stehen lassen. Dann unangenehm durch das Grünzeug inklusive Brennnesseln in den Wald hoch. Dort leicht linkshaltend über teils Wegspuren nach oben. Die erste sichtbare brüchig wirkende Felswand wird rechts umgangen. Weiter oben an geeigneter Stelle nach links und an Fixseilen bis zum Einstieg hoch. Schwierigkeit: 6, A1 Material: 15 Express, kleine bis mittlere Cams, Micro-Cams, Leiter, Pecker (optional) Erstbegeher: Carlos Wagner, Andreas Kinscher (90er Jahre) Abstieg: Vom Ausstieg durch einen märchenhaften Wald in westliche Richtung. Wenn rechts eine Lichtung erscheint, links zur Südwand abzweigen und auf dem spätestens ab dort deutlichen Weg zurück zur Straße und den Rädern. Route:
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November 2025
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