Und würde der Naturpark Karwendel seinem Namen gerecht werden wollen und die unseligen Motorradln aus den Tälern verbannen oder wirklich nur ernsthaft erkrankten Mitmenschen erlauben (eine mordstrumm Wampn, Konditionsmangel oder Faulheit würde ich nicht zu den ernsthaften Krankheiten zählen), wär’s gleich noch ruhiger im Schlauchkar. Schade, dass sich nie eine Art Rotpunktgedanke beim Bergradln durchgesetzt hat. Charakter: Anspruchsvolle, konditionell fordernde (vorausgesetzt man lässt sich nicht von jeder Mengen Lithiumionen zum Schnee fahren) und von der Felsqualität her nicht ganz ungefährliche Tour. Vom Verhältnis Kletterlänge (180m) – Zustieg (1700hm!!) her eher ungünstig, aber insgesamt halt doch genial. Eine wirklich schöne MTB-Anfahrt, die selbst mit Kletterzeug und Schi am Rucksack bequem zu bewältigen ist, rauf wie runter. Dann ein landschaftlich fantastisches, wildes Kar. Steil, teilweise felsdurchsetzt und ordentlich lawinengefährdet. Und als Krönung ein sehr, sehr selten gemachter Gipfelanstieg über den kurzen, dafür teilweise recht baufälligen N-Grat. Und zum Abschluss dank Schi und Radl ein knieschonender Abstieg: keine 2 Stunden vom Gipfel nach Scharnitz trotz einiger Pausen. Aber nur für technisch versierte Schitourenmenschen (rauf und runter) und sichere Bruchfreaks. Das Wetter sollte stabil sein, die Lawinenlage, bei der man auch die tageszeitliche Erwärmung nicht unbeachtet lassen sollte, ebenso. Zustieg: Richtig lang! Start kurz vor Scharnitz an der Landesgrenze, ca. 950m. Dann mit den Radeln Richtung Karwendeltäler und gleich nach der Isarbrücke links dem Wegweiser Karwendeltal nach; übersieht man leicht. Etwas steiler unter die Sonnenplatten, 40hm runter zum Karwendelbach und immer mehr oder weniger bergauf über die Larchetalm zur Angeralm, 1310m. Ab dort in mäßiger aber stetiger Steigung aufwärts, bis man an der drittletzten Kehre vor der Hochalm auf etwa 1550m dem Schlauchkargraben am nächsten kommt. Ein paar Meter noch auf einem kleineren Fahrweg und man steht bei einem Wasserhäusl (18,5km/650hm). Radldepot. Mit Wadlpower und schwerem Gepäck 1½ bis 1¾ Stunden. Nun am besten die Schi an den Rucksack und auf Steigspuren rechts am Häusl vorbei Richtung Graben. Bei einer Verzweigung der linken Spur folgen, die bald auf ein eisernes Wasserrohr trifft. Diesem folgt man, teils etwas unangenehm und steil, bis man auf etwa 1720m in den Graben gelangt. Von hier mit Schi weiter, bald weitet sich der Graben und man steht im Schlauchkar. Immer der Linie des geringsten Widerstands folgend, nach oben etwas steiler werdend, unter das felsige Gipfeltrapez der Birkkarspitze. Nun nicht nach rechts zur sichtbaren Birkkarhütte oder zum Schlauchkarsattel, sondern links Richtung Nordschulter. Unter einem markanten, pyramidenförmigen Felszapfen sind der Umziehplatz und das Schidepot erreicht. Ca. 2590m. Weitere 2 Stunden. Kletterlänge: ca. 185m auf 4 SL und bei einer sehr überschaubaren Grathöhe von etwa 150hm zum Gipfel. Schwierigkeit: Stellen 4+ und 4 (ca. M5) in teilweise sehr brüchigem, splittrigem gelben Fels. Der Vorsteiger sollte sich in so einem Gelände wohlfühlen, aber auch im Nachstieg muss frei geklettert werden. Kaum absicherbar. Mindestens E4. Es stecken drei Haken, zwei davon sind schlecht und der dritte Ist nicht besonders. Material: Mixedkletterausrüstung mit einem Eisgerät, 60m Seil (Voll oder Doppel), 6 Expressen, davon sollten einige verlängerbar sein. Satz Cams (Totems 0,5-1,8), paar Normalhaken. Vollständige Schitourenausrüstung mit Harscheisen und Lawinenequipment. Radlflickzeug ist vielleicht auch keine ganz schlechte Idee. Route: Keinerlei sachdienliche Hinweise im Netz, nur im alten AV-Führer „Karwendel“ von 1984 (Klier/März, Rotherverlag) findet man ein paar Zeilen, die aber ganz gut stimmen. Vom Schidepot entweder links zur Nordschulter oder vorher durch eine Rinne vor einem pyramidenförmigen Turm rechts zum Grat. Über Schnee, Schutt und Schrofen zum Ende einer Rinne links der Gratkante; Stand an Cam(s). 1. SL: Links der Kante und rechts einer nassen Runse (früher im Jahr Eis?) über Stufe (4) auf Band (NH) und linkshaltend über zwei kleine Bäuche (4+, 2 NH) auf Schutt-/Schneerücken. Über diesen zu Stand am Grat an allem was man findet und am Gurt hängen hat. 45m, 4+ (Stelle), länger 4, 3 NH, sehr brüchig. 2. SL: Gestapfe durch Rinne links des Grats, 40-45°; Stand an Cams unter kaum ausgeprägtem Kamin rechts von markantem Zapfen, ca. 60m 3. SL: Durch den Kamin (4-) auf Absatz am Grat und links zu Stand an Cams, 25m 4. SL: Rechts auf Band etwas absteigend zu Rinne rechts der Gratkante und durch diese (40-45°, 2) zum Ostgrat. Stand an Köpfl. Über den leichten Grat wenige Meter zum höchsten Punkt. Abstieg: Vom Gipfel teilweise versichert westseitig zur Birkkar-Nothütte, 2635m, und über eine Rinne in den Hang unter der Gipfelwand queren und zum Schidepot. Danach, wenns gut läuft, noch 8-900hm herrliche Frühjahrsabfahrt, momentan 100hm Tragerei in den unteren Schlauchkargraben (erst über den Wasserleitungsteig, dann über ersichtliche Steigspuren in den Graben) und weitere knapp 100hm zum Radldepot. Kurz vor dem nächsten Abbruch des Grabens bzw. der Schlucht zieht rechts ein Steig eben aber teils abschüssig zum Wasserhäusl. Aufs Radl und lange, genussreiche Fahrt hinaus nach Scharnitz. Zu Fuß möchte ich’s nicht machen!
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