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Bernadeinkopf, Wetterstein, 2144m N-Wand „Pfeilerkamin“, 8 SL; 5+

12/7/2026

1 Comment

 
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Pfeilerkamin, 7. SL
Kontrastprogramm. Gestern Plaisir an der Alpspitze, heute eine auf dem Papier deutlich leichtere, insgesamt aber ungleich forderndere und eher selten begangene Tour. Schon beim Zustieg wirkt die Wand, die zwar nicht besonders hoch ist, beeindruckend steil und düster. Vielleicht waren wir auch deshalb die einzige Seilschaft dort, obwohl die Wand so trocken war wie selten. Die Tour selbst ist, wie so oft am Bernadeinkopf, zweigeteilt: die SL 1-4 bieten nur teilweise schöne Kletterei (ein weiterer Grund für das Dornröschendasein), der Fels ist nicht immer zuverlässig ... 
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Früher Zustieg
​... und bei der Routenfindung ist der gute alte AV-Führer "Wetterstein" deutlich hilfreicher, als das in Teilen einfach falsche Panico-Topo (s.u.). ​Zwei markante Abstiege von bis zu 10hm müssen dargestellt werden! Der eigentliche Pfeilerkamin bietet dann endlich die erhoffte traumhafte Kletterei in erlesenem Wettersteinkalk. Teilweise so rau, dass die Finger schon beim hinschauen schmerzen. Die Route endet allerdings mit einem Kulturschock: Nach einem letzten Rissüberhang steht man völlig unvermittelt am "Mauerläuferklettersteig", der leider die etwas weiter links hochziehende Route „Hochalm-Rock“ teilweise zerstört hat. 
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Bernadeinkopf Nordwand
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Almrosen im frühen Morgenlicht
​Aber so ein Klettersteig spült halt mehr Cash und noch mehr Besucher in die über Overtourism lamentierende Marktgemeinde als eine selten begangene Alpinkletterei. Apropos selten begangen: in den direkten Einstieg von M. Olzowy ("Neue Nordwand") haben wir uns nicht getraut. Da steckt dann wahrscheinlich gar nix mehr. Insgesamt finden wir die "Direkte Nordwand" deutlich lohnender; der Pfeilerkamin reicht ein Mal. Der Anteil an wirklich guter Kletterei ist einfach zu gering und die Linienführung ist auch irgendwie seltsam.
​Zustieg: Von Garmisch/Kreuzeckbahn, 750m, zu Fuß, per MTB oder mit der Seilbahn zum Kreuzeck, 1650m. Weiter über den Fahrweg zur Hochalm, dann grob und steil hinauf zur Bergwachthütte und weiter in den Kessel unter der Alpspitze bis zum Abzweig der Schöngänge, ca. 1850m. Hier bleibt ggf. das Radl zurück. Auf dem bezeichneten Weg Richtung Schöngänge/Alpspitze, bis man nach einem ersten Drahtseil links auf den Vorbau quert. Der Einstieg ist links beim rechten von zwei Kaminen (ca. 1950m). Geklebter Ringhaken ein paar Meter aufwärts im Kamin.
​Wandhöhe: etwa 160hm zum Klettersteig, ca. weitere 40hm über Schutt, Schrofen und leichte Felsen zum Gipfel.
Kletterlänge: ca. 230m zum Klettersteig auf 8 SL
Schwierigkeit: In der ersten Hälfte 3-4, viel quer; ab der 5. SL anhaltend im (oberen) 5. Grad. Die Bewertung entspricht dem Alter der Tour und ist daher eher streng: ein mittlerweile klassischer, oberer Fünfer, der aufgrund relativ weniger Wiederholungen noch die gleiche Bewertung vorweist wie im alten AV-Führer aus den 1980ern. Wäre die Tour heute erstbegangen worden, hätte man vermutlich einen Grad draufgepackt (was ich in der Routenbeschreibung unten auch getan habe). 
​Absicherung: Die Absicherung ist semialpin: gebohrte Stände und ca. 1-3 geklebte Zwischenhaken aus der ersten Phase der Routensanierung im Wetterstein, einige, meist betagte Schlaghaken. Auch ein paar sehr morsche, gebohrte SU gibt’s => besser abschneiden und austauschen. Je nach Nervenkostüm muss also mobil nachgebessert werden, was aber nicht immer problemlos geht. Längere Runouts sind also durchaus drin.
Material: 50m Seil(e), 8-10 Expressen, davon ein paar alpine, außerdem sollte man sich ein Grundsortiment Klemmzeug an den Gurt hängen (z.B. ein Satz Linkcams). Ansonsten übliche Alpinkletterausrüstung; gute Zustiegsschuhe sind auf den abgeschmierten Klettersteigabstiegen auch kein Fehler. Panico Topo updaten (s.o. und unten.)!
​Erstbegeher: K. Müsch & V. Schlegel, 1971
Route: Das Topo im Panico Kletterführer “Wetterstein Nord“ passt von den Längenangaben oft gar nicht, außerdem wurden zwei längere Abstiege (!) weggeneralisiert. Deutlich besser ist hier der antiquarische AV-Führer „Wetterstein“ von Stefan Beulke.
Ergänzungen & Korrekturen des Panico-Topos:
1. SL: 25m (nicht 35m); durch den Einstiegskamin (alte SU) und kurz nach dem BH links raus in die Schrofen zum Stand. 5-
2. SL: 25m (nicht 30m); gerade über teils leicht brüchige Wandstufen und Bänder auf eine Rampe. Eher 4 als 3.
​3. SL: 35m; nicht rechts auf der Rampe zum sichtbaren BH einer anderen Tour, sondern ca. 10m auf der Rampe abklettern (3) und von rechts her (2 NH, 5-) in eine Verschneidung (BH; blöder Seilverlauf) und durch diese fast bis ans Ende (4+). Unter Überhang (BH) links (5-) auf abfallendes Band. Gerade rüber zu Stand (selbst einrichten) an einem spitzigen Köpfl direkt an der nächsten Wandstufe. Eher 5- als 4.
4. SL: 40m; links einige Meter abklettern (2), bis man rechts auf eine Rampe einqueren kann (4-, je tiefer, desto leichter). Über diese (3) zu Plattenrampe unter steilem Riss. Eher 4- als 3.

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Himmelsherold
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Rückblick; schon irgendwie düster
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Glockenblume
5. SL: 28m; über die Plattenrampe (3) rechts aufwärts, bis man über einen kleinen Überhang (4+, BH) in eine Verschneidung kommt. Diese (4) zu Stand am Beginn des Pfeilerkamins. Eher 4+.​6. SL: 22m (statt 25m); den Riss hinauf, am Schluss kleiner Überhang. 5
7. SL: 32m (statt 40m); durch den extrem rauen Spalt möglichst weit außen spreizend hinauf (5+/6-). Teils großer Hakenabstand. Bei BH links über die Begrenzungswand (5) auf die Pfeilerkante (4) und zum Stand auf dem Pfeilerkopf.

8. SL: 25m (statt 35m); Spreizschritt über den Kamin zu Überhang (NH). Links über ihn (5+, BH sehr hoch!) und durch am Schluss überhängende Rissverschneidung (6-) auf Plattenrampe. Stand am Klettersteig. Eher 6- als 5+.
​
​9. SL: Gibt’s nicht mehr. Entweder über den Klettersteig (sehr gesucht, kindische und sinnlose Seilbrücke) oder dem Weg des geringsten Widerstands folgend zum Grat (Gras, Schrofen, max. 2). Steigspuren führen am Grat entlang zum nahen Gipfel.
Abstieg: Vom Gipfel über den Weg entlang des grasigen SW-Grats zum Sattel am Ausstieg der „Schöngänge“, Wegweiser. Über diese (B, eher ein versicherter Weg als ein Klettersteig) zurück zum Einstieg und Knieschnackler ins Tal, gemütliche Wanderung zum Kreuzeck und per Gondel weiter oder erst anspruchsvolles, ab der Hochalm gepflegtes Ausrollen per Radl.
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Rückblick von Garmisch; hell glänzt das Alpspitzherzl
1 Comment
Berchti
28/7/2026 12:08:11

Hallo und vielen Dank für die immer hilfreichen Beschreibungen und die guten Anregungen.
Die Kombination des oberen Teils von Hochalmrock mit dem Zustieg über die lohnende Halleluja kann ich als spannende und gute Tour (natürlich mit dem düsteren Ambiente der Bernadeinwand und oben ernstem Charakter) durchaus empfehlen.
Gruß Christian

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