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Durch einige ungeplante Verzögerungen am Morgen mit einem Auto, dem es vielleicht zum Starten zu kalt war, erfolgte im Zustieg spontan eine Zielanpassung an die gegebenen Umstände. Auch weil die Motivation für eine Route mit fraglichem Verlauf gleich zum Saisonstart nicht groß war, denn die Meiser-Wülfert-Führe unterscheidet sich im Wandbild des Panico-Führers und alten AV-Führers deutlich voneinander. Dann also lieber in den Kokattweg mit wenig Interpretationsspielraum im Routenverlauf. So steht es auch bereits im alten AV-Führer: „Schöner Durchstieg mit idealer Linienführung, jedoch teilweise brüchiger Fels“. Letzteres ist im Winter bzw. bei den zapfigen Temperaturen an dem Tag nicht relevant, da waren sowohl Fels als auch Sicherer gut durchgefroren. Zustieg: Start per MTB am Alpenwarmbad bei Benediktbeuern und Auffahrt gleich recht anhaltend bergauf (aber nur 10%) zum Sattel oberhalb der Kohlstatt (4,5km, 1050m), dann auf und ab zur Eibelsfleckalm (weitere 4,5km, 1034m) und die letzten 2km wieder zunehmend steiler zum Radldepot kurz hinter dem Materiallift der Tutzinger Hütte (1169m, ~1¼ Stunden). Trotz des Schneefalls war die Straße erstaunlich gut fahrbar (dank der Autos die hochgefahren sind). Vom Radlparkplatz zunächst durch die gefällten Bäume und dann auf dem gemütlich angelegtem Wanderweg in etwa 15 Minuten zur Tutzinger Hütte (1325m). Von dort weiter in Richtung Wand und kurz auf dem Ostweg (Richtung Rotöhrsattel) links aufwärts. An geeigneter Stelle (eigentlich ziemlich genau unter dem Einstieg bzw. der markanten Gufel) den Weg verlassen und direkt hoch. Route: Die erste Seillänge startete gleich etwas unangenehm plattig, jedoch mit insgesamt zwei Bohrhaken, von denen einer genau an der Plattenstelle war und somit einem schlecht sitzenden Cam vorgezogen wurde (ca. 25m, M3, Stand an zwei Bohrhaken). Es sollten jedoch die einzigen Bohrhaken als Zwischensicherung sein, denen wir begegnen, doch dies war zu erwarten, denn nach dem Abzweig des gemeinsamen Einstiegs über das Obere Schiefe Band erwartet einen durchaus alpine Kletterei. Einige wenige Schlaghaken lassen sich finden, was zugegebenermaßen auch angenehm ist, denn das Gelände fällt eher unter die Kategorie camfeindlich. Die zweite Seillänge führt über optimale Grasmobbel zunächst leicht links einer markante Rinne hinauf, in welche man nach einem tatsächlich guten Cam-Placement hineinkommt. Diese Rinne zieht dann leicht links hinauf in eine Nische (ca. 60m, M2, Stand an Schlaghaken). Hätten ich für die dritte Seillänge mal die richtige Tourenbeschreibung auch noch abfotografiert, dann wäre mir vielleicht bewusst gewesen, dass der gut sichtbare Schlaghaken (mit altem Karabiner) mit hoher Wahrscheinlichkeit der beschriebene Verhauhakl ist. Die Kletterei bis dahin war jedoch zugegebenermaßen ansprechend. Nur darüber hinaus nicht mehr absicherbar. Vmtl. wäre es sinnvoller gewesen, sich links vom Stand über eine kleine Wandstufe an Graspolstern hochzuziehen, was jedoch ebenfalls nicht absicherbar gewesen wäre, jedoch deutlich leichter. Aber zu spät, jetzt hing ich schon oberhalb vom Stand in der Verhauhakl-Variante drin und eine Lösung musste her. Links von mir gab es wieder Gras, wo das Eisgerät perfekt versenkt werden konnte. Nur die Tritte ließen zu Wünschen übrig. Aber mit Vertrauen in die Geräte glückte die Flucht ins Gras und entspanntere Gelände. Es folgte eine leichte Stapfrinne bis sich an deren linken Rand ein Schlaghaken fand, der mit einem gelben Cam und dem Eisgerät verstärken wurde (ca. 30m, M5, Stand an einem Schlaghaken). Die vierte Länge überzeugte mit zahlreichen Absicherungsmöglichkeiten, was jedoch dazu führte, dass das übergebene Material nicht ausreichte. Wobei ich auch in meinem Stand ziemlich viel verbaut hatte und nur das Material der rechten Materialschlaufe am Gurt weitergab. Die logische Schlussfolgerung ist, am Ende des Materials einen Stand zu bauen. Dies war am Beginn des Kamins der Fall, wo sich optimalerweise auch ein Schlaghaken befand (ca. 25m, M4, Stand an Schlaghaken). Hinein in den Kamin hieß es in der fünften Seillänge, mittlerweile eine meiner Lieblingsdisziplinen, auch im Winter und somit war es im Nachhinein ein Traum, dass ich zu wenig Material übergeben hatte, aber nur böse Gedanken gehen in die Richtung, dass dies mit Absicht erfolgte :). Schieben, schrubben, hocharbeiten war jetzt die Devise. Rausfallen war nicht möglich, stecken bleiben aber schon. Nachdem einen der Kamin dann aber wieder ausgespuckt hatte, ging es auf einem breiten Band einige Meter nach links und dann mit einer leichten Rechtsschleife hoch zu einem bequemen Podest mit einem Schlaghaken. Dieses Höchstmaß an Komfort sprach für die Einrichtung eines Standplatzes mit einer Verstärkung des Schlaghakens mit einem blauen und schwarzen Totem (ca. 30m, M3, Stand an einem Schlaghaken). Das Ende ist bereits in Sicht, es geht nur noch in ziemlich gerader Linie hoch zu den Latschen. Dort lassen sich dann drei Bohrhaken antreffen, so dass es mit Bohrhaken am Anfang und am Ende eine runde Sache wird (ca. 30m, M3, Stand an Bohrhaken). Hier kann das Seil verräumt werden und man kämpft sich einen Weg durch die Latschen zum Gipfel. Wandhöhe: ca. 200m Schwierigkeit: „Anspruchsvolle alpine Route, die trotz des relativ geringen Schwierigkeitgrades (4+) nicht unterschätzt werden sollte.“ Absicherung: Nur wenige Schlaghaken vorhanden. Absicherung muss primär selbst erfolgen, was das Gelände oft nur schwer zulässt. Material: übliche Mixedkletterausrüstung, ein Satz Cams, evtl. Schlaghaken Erstbegeher: E. Kokatt 1914
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November 2025
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