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Aiguille du Jardin, 4035m, Grande Rocheuse, 4102m und Aiguille Verte, 4122m, Montblanc, „Couloir Armand Charlet“, Überschreitung, „Whympercouloir“ (55°, M4, WI 4-; D)

24/5/2026

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Gipfelaufschwung der Aig. du Jardin, dahinter das Wallis
Das äußerst stabile Wetter benutzt, um mal wieder einen auf richtigen Alpinismus zu machen. Von Chamonix mit der Zahnradbahn auf den Montenvers, diese Faulheit wurde aber postwendend bestraft, da die Seilbahn zum Mer de Glace in Revision war und somit die mittlerweile fast 300hm (entspricht etwa 1/3 der Bahnfahrt) zu Fuß zurückgelegt werden mussten. Außerdem lag in der Region erstaunlich wenig Schnee. Übers endlose Mer de Glace, eher Mer d‘ Eboulis, ging‘s hinauf zur Einmündung des ebenfalls aperen Leschauxgletschers und über eine grauenhafte und nicht ganz ungefährliche Moräne (=Winterauf-stieg) ins Becken des Talèfregletschers. 
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Montenvers Zahnradbahn
​Den eigentlich geplanten Aufstieg über die Leitern nach les Egralets fanden wir nicht; konnten wir auch nicht, denn diese wurden im Herbst 2025, was an uns vorbeigerausch war, komplett abgebaut. War wohl zu viel Aufwand die ständige Verlängerung und für manche wohl auch zu anstrengend. So kamen also erst hier am markanten Felsblock die Schi vom Rucksack, die aber dank Kletter- & Eisgrundausrüstung sowie Hüttenreservierungswahnsinnvermeidungsequipment immer noch ordentlich schwer waren. Zudem liegt die Couverclehütte für die geplanten Touren eher blöd und der Guardien wird eher kontrovers diskutiert. 
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Grobe Anstiegsskizze
​Dann lieber schleppen statt ärgern. Haben wir uns bis hierher gefragt, was das wieder für Quatsch ist mit dem wahren Alpinismus, bekamen wir, nachdem auf etwa 3000m an einem traumhaften Platz das Biwakzelt aufgebaut war (selbstverständlich nur für das erlaubte Zeitfenster), die Antwort beim Blick aus dem Eingang: völlig unberührte Umgebung, gegenüber die Nordwand der Jorasses, im Profil unsere alten Bekannter, der Hirondellesgrat, der Rochefortgrat und das Montblancmassiv selbst. Der totale Wahnsinn halt – Biwak de luxe. So lange, bis ich die eben aufgepumpte Isomatte einem Härtetest mit einer Eisschraube unterzog. 
Die Schlafunterlage verlor, die Nacht wurde hart und kalt. Da war er wieder, der Alpinismus. Aber egal, um 3.00 Uhr gings eh los: rauf zum Whympercouloir, Schidepot, solo zu zweit durchs Armand Charlet Couloir (55°, Stufe schönste Wasserfallkletterei an softem Eis (WI4-) zum gleichnamigen Sattel. In komplizierter Linie und gar nicht so einfacher Mixedkletterei sehr ausgesetzt zur Aig. du Jardin, einem sehr selten besuchten 4000er (ca. M4 durch viel Neuschnee), abgeseilt, zurück gequert, relativ einfach zur Grande Rocheuse, 4102m, auch abgeseilt und über die mittlerweile verwaiste Autobahn auf die Aig. Verte. 
​Die Nordseite war von Steilwandschifahreren umgepflügt, wie bei uns das Galtjoch. Nach einem Panoramagenuss sondersgleichen stapften wir durch das 700hm hohe, max. 55° steile Whympercouloir 700 wadelausziehende Höhenmeter zurück zum Einstieg. Wär eine feine Schiabfahrt, wenn es unten mehr Schnee hätte und man die Schi nicht erst raufschleifen müsste. Unten zur Entspannung der malträtierten Wadeln und Fußsohlen ein paar Mal die verführerischen Abseilstände genutzt und danach zum Zelt gesulzt. Dort einen herrlichen Nachmittag genossen, wobei ich mich schon tierisch auf die nächste Nacht auf der luftlosen Isomatte freute. 
​Der Versuch, die Matte mit dem Zeltflickzeug abzudichten, schlug fehl. Selbst ein zwischen Loch und Flicken reingebazter Kaugummi (Pfefferminz, vorgekaut) schlug fehl, sorgte aber für eine angenehme Duftnote im Zelt (hatte aber nur kurz Bestand, der Kampf gegen zweimal durchgeschwitzte und durchnässte Socken war nicht zu gewinnen). Als am Abend bei der Suche nach was anderem in einem Stausack dann doch noch das richtige Flickzeug auftauchte, war ich leider schon zu faul, um dieses anzuwenden. Kurz war ja auch diese Nacht, denn wenn man schon so viel Zeug so weit schleppt, soll ja auch was rechtes rauskommen. Deswegen standen als nächstes die Droites auf dem Programm.
Charakter: Schroffe Viertausender mit anspruchsvollen, südseitigen Normalwege oder etwas schwierigere Varianten dazu. Nie wirklich einfach, auch der Abstieg ist alles andere als unkompliziert. Aufgrund der sonnseitigen Exposition ist ein vernünftiges Zeitmanagement nötig, sonst wird es in den steilen Südrinnen schnell gefährlich. Bei viel Schnee sorgt dieser im Lauf des Tages für Nassschneerutsche, bei wenig tauen mehr als genug Steine in den Flanken aus und donnern durch die Rinnen. In diesem Fall also besser auf den frühen Abend warten, bis das Zeug wieder etwas zusammenfriert.
​Stützpunkt: Réfuge Couvercle, 2679m oder höher und günstiger liegend biwakieren (allerdings gibt es dafür relativ strenge Vorschriften im französischen Montblancgebiet, vgl. https://www.montourdumontblanc.com/en/bivouac-and-wild-camping.html)
​Zustieg: Los geht’s am bequemsten von Chamonix aus mit der altehrwürdigen Zahnradbahn auf den Montenvers, 1913m. Zu Fuß, oder, wenn sie nicht gerade Revision hat, mit der neuen Seilbahn zum Gletscher. Von 1696m geht es über Metalltreppen noch ein Stück bergab. Bei einem alles verboten Schild mit dem Zusatz „Accès Refuges de Haute Montagne“ übers Geländer klettern und auf Steigspuren zum Eis (ca. 1650m). Auf die Moräne und über den neuen Hüttenweg (wenn die Couverclehütte das Ziel ist und wenn schneefrei; überquert das Mer de Glace, vgl. Karte) oder, wer wie wir etwas höher und näher an den Einstiegen biwakieren will, über die Schiroute auf dem Weg des geringsten Widerstandes etwa 4km über Eis und viel Schutt zur Einmündung des Leschauxgletschers. 
​Nach einigem Moränenaufundab vorbei an den überhängenden Wänden des demontierten Leiternsteigs „Les Egralets“ und nach dem Abfluss des Talèfregletschers (nach weiteren 1,2 km) links zwischen Plattenwänden und einer steilen, grobblockigen Moräne hinauf. Bei viel Schnee sicher gut, im diesjährigen, bereits ziemlich ausgeaperten Zustand eine nicht ganz ungefährliche Plagerei, die wir uns im Abstieg auch nicht mehr antaten. Bei einem markanten Felsblock (2466m) trifft man auf den Verbindungsweg Couvercle – Leschauxhütte. Über diesen links in die Talsohle des weitgehend abgetauten Talèfregletschers. 
Flach talein und an der rechten (südl.) Moräne des Jardin de Talèfre deutlich steiler zum oberen Ende des Jardin. Herrlicher Biwakplatz auf einer ebenen Kuppe auf etwa 3000m mit gigantischem Panorama. Am nächsten Tag (oder besser gesagt mitten in der Nacht) steile Linksquerung zu einem flachen Tälchen direkt unter dem Eperon Occidental, 3267. Wenn es der Gletscher erlaubt, links über einen erst steilen, dann flacheren Korridor durch Spaltenzonen aufwärts, bis man kurz unter dem Whympercouloir auf die Spur von der Hütte trifft. Lawinen- und steinschlagsicheres Materialdepot und Umziehplatz unter einem Pfeiler zwischen Whympercoulor und Couloir Armand Charlet, ca. 3460m. Vom Biwak bequem in einer guten Stunde machbar.
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Gipfelbereich
​Wandhöhen: Couloir Armand Charlet 540hm (Depot-Col); 40hm + auf und ab zur Aig. du Jardin, 120hm zur Grande Rocheuse, 50hm Gipfelgrat Aig. Verte, Whympercouloir 600hm
Schwierigkeit: Schwankt je nach Verhältnissen insgesamt um D herum. Im Couloir Armand Charlet bei genug Schnee Gestapfe bis 55°, unterbrochen von einer längeren WI4- Wasserfallkletterei. Der Gipfelaufstieg zur Jardin bietet ja nach Route Stellen bis 4+, die Überschreitung der Rocheuse ist steiles Schneegestapfe mit einer Abseilstelle, ähnlich am meist eingespurten Gipfelgrat der Verte. Das Whympercouloir bietet wieder max. 55° Schnee und Eis mit nach unten zunehmenden Felsanteil. Zahlreiche Abseilstellen unterschiedlicher Qualität.
Absicherung: Viele eingerichtete Abseilstellen (überprüfen!), sonst ist Eigeninitiative gefragt.
Material: Je nach Verhältnissen. Wir hatten 6 Eisschrauben, 2 Felshaken, 2 Spectres, diverse Schlingen, 4 alpine Express und einen Satz Totems dabei. Schrauben und Haken kamen nicht zum Einsatz, der Rest nur auf der einen frisch verschneiten SL zur Jardin. 60m-Doppelseile zum Abseilen sinnvoll. Zwei Eisgeräte erleichterten den Aufstieg wesentlich. Ansonsten die übliche Winterkletterausrüstung.
​Erstbegeher: Couloir Armand Charlet: Thomas & Knubel, 1927; Whympercouloir: Whymper, Almer, Biner, 1865; Grate dazwischen: keine Ahnung
Route: Vom Depot rechts des Whympercouloirs weiter nach Osten am Südpfeiler der Grande Rocheuse vorbei zum nächsten Couloir, welches zum Col Armand Charlet (rechte Ausstiegsvariante) oder zum Südgrat der Grande Rocheuse (linke Ausstiegsvariante) führt. Der Einstieg, ca.3460m, besteht aus einem breiten Lawinenkegel, der den Bergschrund früh im Jahr weitgehend überbrückt. Später im Jahr kann das natürlich ganz anders ausschauen. Nach Lawinenkegel und Bergschrund folgt bald eine markante Verengung, die wir in schönster Eiskletterei (ca. WI4-) überwanden.
​Ab einem Abseilstand oberhalb der Verengung folgt dann stures Gestapfe im max. 55° steilen Couloir. Auf etwa 3900m teilt sich das Couloir nach links zu Südgrat der Grande Rocheuse und leicht rechts und teils felsdurchsetzt zum Col, je nach Ziel. Je nach Ausaperung eher Mixedgelände oder eher Firnanstieg. Vom Col, 3998m über einen kurzen Firngrat bis zu einem Schlingenstand unterhalb des Felsturms der Pointe Eveline. Grat zum Gipfelwandl und dieses erst mittig (Stellen 4), dann fallend links in ein Loch mit Schlingenstand queren (4) und über den leichten Grat zum höchsten Punkt.
​Zurück zum Schlingenstand, 25m nach N abseilen, zurück zum Stand unter der Eveline und zum Col. Der folgende Gendarme kann bei guten Firnbedingungen links (auf der Talèfreseite) steil umgangen werden. Der folgende, breite Grat zur Grande Rocheuse bietet unschwierigen, aber steilen Firn. Vom Gipfel, 4102m, wenige Schritte Richtung Verte und 30m zum Col de la Grande Rocheuse, 4070m, abseilen. Über den herrlichen Firngrat in wenigen Minuten zum Gipfel, 4122m, der im Gegensatz zu den anderen richtig geräumig ist. 
​Abstieg: Über den Grat zurück zum Col de la Grande Rocheuse. Wenn man früh genug dran ist, zügiger Abstieg durchs Whympercouloir, ansonsten warten, bis die Sonne aus der Flanke dreht und der Abstieg wieder halbwegs sicher möglich ist. Das Couloir mit seinen gut 600hm zieht sich ordentlich. Wir sind etwa 2/3 abgeklettert (geht einfach schneller) und haben erst die unteren Abseilstände nach der Querung in das südliche Couloir benutzt. Zum einen, weil es mal eine andere Belastung für die Füße war, zum anderen, weil der Schnee langsam weich wurde und über die Randkluft sowieso ein Seil nötig wurde. Rest wie Zustieg, nur im Sulz.
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